Individuelles Feedback bei Tests

Wie individuelle Rückmeldungen bei Tests nachhaltiges Lernen fördern können

Die Verfügbarkeit kommunikativer Mittel zählt zu den wichtigsten Kompetenzen im modernen Fremdsprachenunterricht. So steht es in den Beschlüssen der Kultusministerkonferenz. Ob die Schüler*innen grammatische Strukturen und Wortschatz auch wirklich beherrschen, wird neben den schriftlichen Leistungskontrollen auch in Tests überprüft.

In Klausuren und Klassenarbeiten sind individuelle und detaillierte Rückmeldungen über die erbrachte Leistung mit Bewertungsrastern schon üblich. Bei Tests hingegen beschränkt sich die Rückmeldung viel zu oft auf richtig oder falsch. Das spart Zeit, aber man verschenkt wertvolle Ressourcen. Es lohnt sich auch bei Tests, den Schüler*innen ein konstruktives Feedback und damit auch eine Rückmeldung zum eigenen Lernstand zu geben.

Ein Beispiel aus der Praxis

Im Englischunterricht der fünften Klasse wird das Thema „Wetter“ mit dem dazugehörigen Wortschatz behandelt. Um zu überprüfen, ob die Schüler*innen sich korrekt in der Zielsprache auszudrücken können, gebe ich lediglich einen Bildimpuls vor mit dem Arbeitsauftrag, einen passenden englischen Satz zu bilden.

Arbeitsauftrag: Englische Sätze über das Wetter bilden

Arbeitsauftrag: Englische Sätze über das Wetter bilden

Meistens markieren Lehrkräfte bei der Korrektur die Fehler rot und erläutern sie mit Korrekturzeichen, zum Beispiel  R = Rechtschreibung oder G = Grammatik. Die eine oder andere Lehrkraft mag noch eine Positivkorrektur vornehmen, also noch die richtige Lösung dazu schreiben. Die Tests werden dann einmal mit dem Sitznachbarn oder der besten Freundin verglichen und landen im Schulranzen.

Doch dieses Lernen „nur für den Test“ ist aus meiner Sicht kein nachhaltiges Lernen. Das kann sich aber durch ein individuelles und zielgerichtetes Feedback ändern.

Wie kann ein konstruktives Feedback aussehen?

Als individuelle Rückmeldung kann schon ein Feld mit Schreiblinien genügen, in dem man handschriftlich einträgt, was der Lernende schon beherrscht und in welchen Bereichen er noch üben muss. Aber im Sinne einer zeiteffektiven Vorbereitung rate ich zu einem vorgefertigten Raster.

So könnte ein einfaches Feedback-Raster aussehen

So könnte ein einfaches Feedback-Raster aussehen

Weitere Ideen für Kompetenzraster finden sich zum Beispiel im Buch „Leistungsmessung und -bewertung“ aus dem Cornelsen-Verlag.

Die Vorteile

Dieses Raster schafft zum einen Transparenz über die zu erreichenden Kompetenzen, zum anderen ist es trotz knapper Zeit beim Korrigieren möglich, ein individuelles Feedback zu geben. Gerade die letzten zwei Zeilen der Tabelle sind aus meiner Sicht entscheidend. Individuelle Lernfortschritte können hier vermerkt werden. Indem man den Fokus nicht nur auf die Defizite legt, sondern die Fähigkeiten des Lernenden betont, werden das Selbstbewusstsein und die Lernmotivation in der Fremdsprache gestärkt. Natürlich reicht das allein nicht, damit sich die Schüler*innen verbessern. Als Lehrkraft sollte man den Lernenden zusätzliche Tipps für Übungsstrategien und Lerntechniken sowie individuelle Lernmaterialien zu Verfügung stellen.

Auch die Bildungspläne fordern kompetenzorientierte Rückmeldungen. So steht es zum Beispiel im niedersächsischen „Kerncurriculum für das Gymnasium, Schuljahrgänge 5-10“:

 „Um die Selbsteinschätzung der Schülerinnen und Schüler zu fördern, stellt die Lehrkraft ein hohes Maß an Transparenz über die zu erreichenden Kompetenzniveaus, die Verbesserungsmöglichkeiten und die Bewertungsmaßstäbe her. Individuelle Lernfortschritte werden wahrgenommen und den Lernenden regelmäßig zurückgespiegelt.“

Bei selbstständigen bzw. älteren Schüler*innen lohnt es sich, sie selbst die Felder mit den Verbesserungen und Übungsstrategien ausfüllen zu lassen. So werden sie aktiv in den Lernprozess eingebunden. Außerdem wissen sie häufig schon, wie sie passend zu ihrem Lerntyp zum Beispiel Vokabeln lernen. Bei Problemen oder Fragen wird die Lehrkraft zum „Lernbegleiter“, indem sie Tipps zu weiteren Lernstrategien oder Übungen geben kann.

Die Verwendung im Unterricht

Zwar werden Tests nicht bewertet. Doch sind sie oft ein wichtiger Indikator für die anstehenden schriftlichen Leistungskontrollen. Daher sollten die Tests nicht nur im Schulranzen ihr Dasein fristen, sondern auch konstruktiv für die Vorbereitung genutzt werden. Als Vorbereitung im Unterricht wäre es möglich, alle Tests einmal mit folgenden Fragestellungen durchzuarbeiten:

  • Habe ich alle Rückmeldungen zu den Tests sorgfältig durchgelesen bzw. bearbeitet?
  • Habe ich alle Übungen erledigt?
  • Beherrsche ich den benötigten Wortschatz?
  • Gibt es noch offene Fragen, die sich aus meinen Tests ergeben?

Die Schüler*innen haben dann in der Stunde Zeit, selbstständig Lücken in Grammatik oder Wortschatz zu schließen, Fragen zu klären und mit einem Partner zu üben. Hierfür sollte die Lehrkraft noch weiteres Material mit der Möglichkeit zur Selbstkontrolle bereitstellen, um genügend Zeit für die Klärung von Fragen zu haben.

So können Tests nachhaltig für alle wirken!

 


Beitragsbild: Gerd Altmann | Pixabay

Interaktives Word-Guessing am Whiteboard

Die Vorteile von Lückentexten am Smartboard

Schon seit jeher finden sich Übungen in den Lehrwerken, bei denen die Lernenden Lückentexte mit Vokabeln ergänzen müssen. Oder Texte, die von einem fiktive Mäuschen mit Tintenfußspuren überquert wurden, so dass einzelne Wörter oder Buchstaben nicht zu lesen sind.

Der didaktische Hintergrund solcher Übung ist, denke ich, hinlänglich bekannt. In diesem Artikel möchte ich erklären, wie man eine solche Übung mithilfe eines Whiteboards einfach interaktiv gestalten kann, so dass beim Besprechen Bewegung ins Klassenzimmer kommt und die Lehrperson entlastet wird, da nicht alles an die Tafel geschrieben werden muss. Weiterlesen

All American Boys

Literaturanalyse im 13. Jahrgang mal anders

Wenn man am beruflichen Gymnasium, insbesondere in einem Kurs mit erhöhtem Anforderungsniveau im 13. Jahrgang, im Englischunterricht Bücher liest, geht es in der Regel um Stilmittelanalyse. Welche werden verwendet und welche Wirkung haben sie auf den Leser? Da ich dies mit meinem Kurs schon gemacht habe und es ihnen nicht besonders viel Spaß gemacht hat, wollte ich ihnen Literatur nochmal anders nahebringen. Dafür habe ich mich für „All American Boys“ von Jason Reynolds und Brendan Kiely aus dem Klett Verlag entschieden.

Darum geht es bei „All American Boys“

Der Roman handelt von zwei amerikanischen Jugendlichen: ein Afroamerikaner – Rashad – und ein Weißer – Quinn. Sieben Tage werden jeweils aus der Sicht von Rashad und Quinn geschildert.

Gleich zu Beginn wird Rashad in einem Kiosk des Diebstahls beschuldigt und von dem gerufenen Polizisten auf der Straße brutal zusammengeschlagen. Quinn sieht dies durch Zufall von weitem. Er ist seit Jahren sehr freundschaftlich mit dem Polizisten verbunden. Der Vorfall erschüttert ihn zutiefst und er weiß lange nicht, wie er damit umgehen soll. Rashad schildert seine Verarbeitung des Vorfalls aus dem Krankenhaus.

Das Buch stellt zwar ein gewisses Maß an Vokabelhilfe am Ende jeder Seite, jedoch haben alle meine Schülerinnen und Schüler nach eigener Aussage das EX-word während des Lesens parat gehabt und darin unbekannte Vokabeln nachgeschlagen.

„All American Boys“ behandelt brandaktuelle Themen und Ereignisse, wie sie jederzeit – insbesondere in den USA – passieren können. Daher können sich die Schülerinnen und Schüler sehr gut auf den Inhalt einlassen.

Angesprochene Themenbereiche für Wortschatzarbeit

In dem Buch werden zahlreiche Themenbereiche angesprochen: Polizeigewalt, Kriminalität, Rassismus, Demonstrationen, Freundschaft, Familie und auch Liebe. Deshalb eignet es sich – meiner Meinung nach – ziemlich gut für Wortschatzarbeit mit dem EX-word. Hier kann man sich überlegen, ob man alle Themenbereiche arbeitsteilig in der Klasse aufbereiten lassen will oder ob man sich auf einen Themenbereich konzentriert.

Ich habe es zum einen von der Größe meines Kurses und zum anderen vom Interesse der Jugendlichen abhängig gemacht. Es sind nur 13 Schülerinnen und Schüler und alle wollten sich gerne mit dem Themenbereich Polizeigewalt näher beschäftigen.

Beispiel Polizeigewalt

Da sich alle für einen gemeinsamen Themenbereich entschieden haben, haben wir zu Beginn gesammelt, was sie daran interessiert. Herausgekommen sind die folgenden Schwerpunkte:

  • Ausbildung von Polizisten in den USA und Deutschland
  • Das Waffengesetz in den USA und Deutschland
  • Polizeigewalt in den USA und Deutschland (Vorkommen und Hintergründe)

Anhand dieser Unterthemen kann man schon erahnen, dass das EX-word viel zum Einsatz gekommen ist – schließlich handelt es sich nicht um einen ganz alltäglichen Wortschatz. Die Schülerinnen und Schüler haben viel Internetrecherche, Mediationsarbeit und Wortschatzarbeit geleistet! Teilweise sind wir bei den Unterthemen arbeitsteilig vorgegangen, teilweise haben wir uns ein Thema gemeinsam angeschaut.

  • Als es um das Thema Polizeiausbildung ging, hat sich eine Schülergruppe mit den deutschen und eine Schülergruppe mit den amerikanischen Ausbildungswegen beschäftigt. Hierzu haben die Schülerinnen und Schüler dann Mindmaps im Plenum an der Tafel erarbeitet und darauf geachtet, dass das neue Vokabular auftaucht.
  • Das Waffengesetz in den USA haben wir im Plenum gemeinsam durchgegesprochen und das Vokabular angeschaut. Nach der Betrachtung des deutschen Waffengesetzes haben die Schülerinnen und Schüler in Partnerarbeit diese Informationen in einen englischen Text gefasst – er sollte wirken wie ein englischer Gesetzestext. Das fanden alle Jugendlichen schwer!
  • Beim Thema Polizeigewalt sind wir wieder arbeitsteilig vorgegangen. Es wurden Statistiken und Berichte herausgesucht und analysiert. Aus diesen Informationen haben die Schülerinnen und Schüler dann einen eigenen, zusammenfassenden Bericht für die USA bzw. für Deutschland erstellt.

Vereinzelt konnte ich das Begleitheft zu Hilfe nehmen (z.B. für ein „police investigation role-play“ oder einen Mediationstext für die Klassenarbeit). Im laufenden Unterricht sind die Schülerinnen und Schüler auch ab und zu in andere Themenbereiche (z.B. Rassismus und Demonstrationen) abgedriftet. Aber das fand ich gar nicht schlimm, solange es der Wortschatzerweiterung diente.

Fazit

Es wurde sehr viel gearbeitet, diskutiert und das EX-word glühte im Unterricht. Was will man als Fremdsprachenlehrerin mehr? Mein Kurs war total motiviert, alle arbeiten sehr gerne mit ihrem EX-word und ihr Wortschatz hat sich deutlich erweitert, wie ich mit Freude in der Klassenarbeit feststellen konnte.

Habt Ihr eventuell noch andere Buchtipps für mich, mit denen man Ähnliches machen könnte? Stilmittelanalyse ist ja gut und schön und wichtig, aber Wortschatzarbeit und den Spaß an Literatur finde ich genauso wichtig. Von daher bin ich auf Eure Tipps gespannt.


Beitragsbild: Fibonacci Blue / CC BY