Bingo your words!

Einfach, unterhaltsam, motivierend: Vokabel-Bingo im Unterricht

Als Fremdsprachenlehrkraft sucht man immer nach guten Übungsmöglichkeiten. Die Anforderungen an diese Übungen sind vielfältig. Sie sollen all dies sein:

  • motivierend
  • einfach umzusetzen
  • einfach zu differenzieren
  • einfach vorzubereiten
  • wenig zeitaufwändig

Eine Übung, die ich mit verschiedenen Jahrgangsstufen zu verschiedenen Themen eingesetzt habe ist „Bingo“.
Das Spiel kennt wahrscheinlich jeder dem Wort nach. Aber die wenigsten von uns haben es je richtig gespielt. Ich habe es jedenfalls noch nie im Original gespielt, weshalb die hier vorgestellten Regeln wahrscheinlich nicht mit den richtigen übereinstimmen – sei’s drum. Es funktioniert trotzdem und macht Spaß.

Vorbereitung

Zur Erklärung des Spiels gehe ich von folgendem Beispiel aus.
Wir haben das Wortfeld „Räume & Möbel im Haus“ im Englischunterricht besprochen. Die zu lernenden Begriffe sind: chair, bed, table, desk, shelves, mirror, picture, cupboard, wardrobe, sofa, kitchen, bathroom, living room, bedroom, basement, toilet, …
Alle Schülerinnen und Schüler zeichnen nun in ihr Heft ein Spielfeld. Ich benutze meist vier auf vier Felder. In jedes der Felder schreibt jeder individuell jeweils eines der gelernten Wörter auf Englisch. Jedes Wort darf nur einmal verwendet werden. Dies kann auch schon vorab als Hausaufgabe geschehen sein.
Das Feld könnte dann so aussehen (Beispiel 1)

Das Spiel beginnt

Wenn man das Spiel die ersten Male spielt, so ist es sinnvoll, dass die Lehrkraft selbst die Rolle der Spielleitung übernimmt. Haben die Lernenden schon mehr Erfahrung mit dem Spiel, so kann ein Schüler oder eine Schülerin das Spiel leiten.

Alle haben ihr Spielfeld vor sich, Die Spielleitung gibt nun die Begriffe auf Deutsch vor. Wer den Begriff weiß und auf dem Spielfeld hat, macht ein Kreuz durch dieses Feld.

Hier: Lehrkraft: “Schreibtisch“. (Beispiel 2)


Die Spielleitung liest nun einen Begriff nach dem nächsten in beliebiger Reihenfolge vor. Wer drei Begriffe waagerecht, senkrecht oder diagonal nebeneinander hat, ruft: „Bingo!“. Die Lehrkraft überprüft die Richtigkeit. Ein „Bingo“ muss nicht schon beim dritten Begriff vorhanden sein. Es können auch zum Beispiel erst fünf Begriffe genannt werden, bevor jemand ein „Bingo“ hat.

Für Beispiel 3 gehen wir davon aus, dass die Spielleitung folgenden Begriffe in genau dieser Reihenfolge genannt hat: Schreibtisch, Küche, Sofa, Toilette, Spiegel.


Diese Runde kann hier zu Ende sein, oder man spielt weiter bis z.B. drei Personen ein „Bingo“ haben.
Normalerweise beende ich an dieser Stelle das Spiel, wenn das Vokabular, das ich wiederholen will, nicht sonderlich umfangreich ist. Bei umfangreicheren Einheiten, kann man auch mehrere Runden spielen, bei der bei jeder neuen Runde aber neue Begriffe eingefüllt werden müssen.

Bingo-Variationen für unterschiedliche Lernniveaus

Das Spiel kann in verschiedensten Varianten gespielt werden.

Variante 1: Bei Sprachanfängern spiele ich das Spiel zum Beispiel bei den Zahlen 1 bis 20 oder den Buchstaben des Alphabets.

Variante 2: Aus der Liste der unregelmäßigen Verben lasse ich die Jugendlichen zum Beispiel nur die Simple Past-Formen in das Spielfeld eintragen. Dabei gibt es einfache Differenzierungsmöglichkeiten. Hier in steigendem Schwierigkeitsgrad aufgeführt.

  • Die Lehrkraft gibt die Simple Past-Formen vor. Hier müssen die Lernenden nur das gesprochene dem geschriebenen Wort zuordnen.
  • Die Lehrkraft gibt die Infinitive in Englisch vor. Beim Spiel muss die passende Form des Verbs im Simple Past zugeordnet werden.
  • Die Lehrkraft gibt die Infinitive in Deutsch vor. Hier ist also zusätzlich eine Übersetzung nötig.
  • Die Lehrkraft zeigt (OHP/Interaktives Whiteboard/Tafel) oder sagt einen Satz auf Englisch, bei dem das Verb in der entsprechenden Form fehlt. Beispiel: Yesterday my parents … a new car. Bei manchen Sätzen sind auch mehrere Lösungen möglich.

Variante 3: Aus einem vorgegebenen Vokabular wählen die Lernenden Wörter aus. Zum Beispiel waren die Vokabeln der Seiten 46 bis 48 im Buch als Hausaufgabe zu lernen. Dazu können alle auch schon zu Hause ein entsprechendes Spielfeld vorbereiten.

Variante 4: Man spielt das Spiel bei komplexeren Aufgabenstellungen als Gruppe. Hier habe ich dies schon mit dem Conditional Typ 2 gespielt. Die Gruppen mussten 16 typische Satzanfänge aufschreiben – etwa If it rained this afternoon … oder If I won the lottery … Ich habe rund 30 typische Satzenden aufgeschrieben.

Variante … – Es gibt unzählige Anwendungsmöglichkeiten. Wichtig ist, dass es sich um einen überschaubaren Bereich des Lernstoffes handelt. Nur so bleibt das Spiel kurz und die Klasse motiviert, da es ab dem dritten Begriff bei jedem Begriff schon um den Sieg geht. Spielt man das Spiel stattdessen mit Zahlen von 1 bis 10.000, könnte eine Runde bei den 16 Zahlen des Bingofeldes schon einmal etwas länger dauern.

Wenn man die Klasse an das Prinzip gewöhnt hat, so gibt es mit Sicherheit noch viele Varianten der gleichen Idee.

Have fun with your words!

Weitere „Bingo“-Varianten finden Sie in diesem Video:

https://www.youtube.com/watch?v=5rF2WJqvHbI

 


Beitragsbild: fotolia #122543218 | Urheber: gustavofrazao
Grafiken: privat

Matthias Wunsch

Über Matthias Wunsch

Matthias Wunsch ist seit 1998 Realschullehrer für die Fächer Englisch, Technik und Religion. Seit einigen Jahren bereitet er Schülerinnen und Schüler auf den "Preliminary English Test of the University of Cambridge" (CEFR Level B1) vor.

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