Wortschatz für Klimaschutz-Diskussionen

Wortschatz für Klimaschutz-Diskussionen

Climate change oder climate crisis?

Wenn wir mit Schüler*innen über den Klimawandel sprechen, spielt die Wortwahl eine wichtige Rolle. Es gibt es eine Reihe von Vokabeln, die dazu dienen können, Impulsvorträge, Beschreibungen, Analysen und Kommentare zu verfassen oder Diskussionen zu stützen. Um sich dem komplexen Thema anzunähern, ist es zunächst sinnvoll, ein paar Grundbegriffe zu definieren. Was ist eigentlich weather, was ist climate und wie unterscheiden sich die beiden? Was sind carbon dioxide und methane und was haben sie mit dem Klimawandel zu tun? Je nach Altersgruppe können da auch die Webseiten von NASA Climate Kids und National Geographic Kids gute Ansatzpunkte bieten. Für 12- bis 15-jährige gibt es hier unter anderem eine Videosammlung zum Thema. Viele der vorgeschlagenen Videos bieten auch Untertitel oder können durch regelmäßiges Stoppen und Besprechen leichter verständlich gemacht werden.

Fragen zum Klimawandel sammeln

Welche Fragen haben eigentlich unsere Schüler*innen an das Thema Klimawandel? Wer mit Schüler*innen Fragen zum Thema sammelt, merkt schnell, wie wichtig es ist, die Definitionen einzelner Begriffe zu kennen. In einer ersten Stunde können Sie alle Fragen zum Thema Klimawandel notieren: an der Tafel, auf der Overheadfolie oder in einer digitalen Umfrage – passen Sie das Medium ruhig an ihre lokalen Gegebenheiten und Vorlieben an.

Einige Begriffe, die in den Fragen vielleicht vorkommen oder zusätzlich eingeführt werden sollten, sind

  • fossil fuels
  • carbon emissions
  • species extinction
  • Green New Deal
  • Paris Agreement
  • rising sea levels
  • melting of ice caps
  • fracking
  • wildfires
  • climate protest
  • pollution
  • renewable electricity
  • energy revolution
  • decentralization of political power

Ich habe die meisten dieser Begriffe einem Kommentar aus The Guardian entnommen und finde sie passend, um mit einem Kurs ins Thema einzusteigen. Anschließend kann die Klasse dann gemeinsam zu vertiefenden Texten fortschreiten.

Framing: Die Wortwahl verrät den Standpunkt

Sehr spannend für Oberstufenkurse ist auch ein Text aus der Washington Post. In “How should we talk about what’s happening to our climate?” fragt Autor Dan Zak nach der passenden Sprache. Angelehnt an seinen Text lässt sich mit Schüler*innen eindrücklich über Klima und Umweltschutz nachdenken. Zugleich bietet sich hier ein Anlass, um über die Bedeutung von Framing und die Wahl eines angemessenen Vokabulars zu sprechen. Dan Zak stellt die Worte global warming, climate change, climate crisis, climate breakdown, climate emergency, climate catastrophe, climate hoax und climate-alarm establishment zusammen. Er diskutiert Begriffe wie extinction und tipping point und stellt die Frage, welche Termini passend, welche verharmlosend, welche hysterisch sind, welche zum Agieren anregen und welche Stagnation bewirken.

Hieran lässt sich wunderbar anknüpfen. Zu Beginn der Stunde erhalten alle Lernenden einen oder zwei dieser Begriffe, notieren Konnotationen, Vorstellungen, Reaktionen, die das Wort bei ihnen hervorruft. Möglich ist auch, eine Frage zu stellen, wie etwa “What should be done about …?” Die Lernenden notieren hierzu einige Sätze. Sie wissen nicht, dass sie alle von unterschiedlichen Begriffen ausgehen. Vermutlich können sie es aber leicht herausfinden, wenn sie anfangen ihre Antworten zu vergleichen. Mit leichter Lenkung durch die Lehrkraft stellen sie vielleicht fest, dass auch ihre Antworten unterschiedlich radikal ausfallen, je nachdem welchen Begriff sie diskutieren. Oder fehlt im Kurs noch das Gespür für solche Unterschiede in der Wortwahl? Vielleicht kann es mit einer solchen Übung geweckt werden.

Sprache prägt unsere Wahrnehmung

Dan Zak bringt noch einen weiteren Vergleich an. In der Industriezeit veränderte Sprache unseren Blick auf die Natur: “Trees became timber. Animals became livestock. Oil and coal became fuels.” Wie wir über die Umwelt sprechen, bestimmt, wie wir über sie denken. Diese These kann diskutiert oder belegt werden. Das Thema, wie Sprache unsere Wahrnehmung prägt, ist heute bei vielen politischen Diskussionen zentral.

Die Begriffe global warming, climate change, climate crisis, climate breakdown, climate emergency, climate catastrophe, climate hoax und climate-alarm establishment können noch genauer betrachtet werden:

“Who says these words? What is the intent?”

“Sort the expressions from most to least dramatic.”

“Which one makes you want to take action most?”

“Which one makes you want to stop reading the article?”

“What does the word ‚connotation‘ mean?”

“In how far does the word ‚climate refugee‘ ‚connote victimhood‘?”

Dan Zak listet in seinem Text ebenfalls einige Fragen zur Sprachreflexion auf:

Is ‚change‘ appropriately neutral, or unjustly neutered? Is an ‚emergency‘ still an ‚emergency‘ after months or years? Does ‚catastrophe‘ motivate people, or make them hide under the bed? How long before words such as ‚breakdown‘ and ‚extinction‘ lose their bite?

Zuletzt können Schüler*innen Plädoyers für die ihrer Meinung nach passenden Begriffe vortragen oder (fiktive) Briefe an Medieninstitutionen verfassen, die die (Nicht-)Verwendung bestimmter Briefe begründen.

 


Bildnachweis: Adobe Stock 276170311 | Urheber: oneinchpunch

Mareike McKim

Über Mareike McKim

Mareike McKim ist Gymnasiallehrerin für die Fächer Englisch, Deutsch und Darstellendes Spiel an einer Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe in Hessen. Sie ist UNESCO-Delegierte für die Rolle von Bildung für Frieden und Nachhaltigkeit. Gemeinsam mit ihren Kollegen beim Pestalozzi-Programm des Europarats und anderen ehemaligen Finalisten des Weltlehrerpreises setzt sie sich für nachhaltige Bildung und die Anerkennung des Lehrberufs ein. Ihr Konzept einer Bildung für Frieden und Nachhaltigkeit vertritt sie als Sprecherin und Autorin in Fortbildungen und bei Konferenzen, u.a. bei TEDxHeidelberg. Blog: www.mareikehachemer.jimdo.com Twitter: @25MaHa