Dem Sprachlern-Gen auf der Spur

Wie unsere Erbanlagen das Lernen mitbestimmen

Warum versetzt französische Grammatik die einen in Angstzustände, während sie anderen ein Leichtes ist? In erster Linie bestimmen unsere Motivation, die Lehrmethoden und unser Umfeld, wie erfolgreich und schnell wir lernen. Aber auch unsere Gene beeinflussen die Sprachlernfähigkeit – das belegt eine neue Studie.

Wissenschaftlern des Institute for Learning & Brain Sciences (I-LABS) an der Universität Washington ist es gelungen, durch eine Mischung aus Genanalysen und Gehirnscans zu 46 Prozent die Noten von Sprachstudierenden nach einem Englischkurs vorauszusagen. Die 44 chinesischen Studierenden im Alter von rund 20 Jahren hatten an einem Englisch-Intensivkurs teilgenommen. Parallel dazu scannten die Forscher die Gehirne der Lernenden regelmäßig, um herauszufinden, ob die Stimulation während des Kurses ihre Hirnstruktur verändert. Eine Kontrollgruppe von 25 weiteren Studierenden aus China nahm nicht an dem Intensivkurs teil.

Das Gehirn beim Lernen beobachtet

Tatsächlich führte der intensive Lernprozess bei einigen Teilnehmern zu Veränderungen in der so genannten weißen Substanz. So bezeichnen Wissenschaftler Teile des Zentralnervensystems, die unter anderem beim Lernen eine wichtige Rolle spielen. Sprachlernstudenten, bei denen die Gehirnscans eine stärkere Aktivität in der weißen Substanz zeigten, lernten effektiver. Bei anderen Teilnehmern führte der Input aus dem Kurs hingegen nicht zu Veränderungen der weißen Substanz.
Verantwortlich für die unterschiedlich starke Aktivität in der weißen Substanz ist offenbar ein Gen namens COMT. Es kommt in drei verschiedenen Varianten vor. Die Wissenschaftler konnten belegen, dass sich die drei Formen unterschiedlich auf die Hirnaktivität und den Lernerfolg der Sprachlernstudenten auswirkten.

Schwierige Aufgaben fürs Hirn

Dass die Ergebnisse der Studie nur für den Lernerfolgt beim Sprachenlernen gelten, ist indessen unwahrscheinlich – den Wissenschaftlern ging es um die Erforschung komplexer Lernvorgänge im Allgemeinen. „Als Erwachsener eine Fremdsprache zu lernen ist schwierig. Wir dachten uns, wenn wir untersuchen, wie Menschen etwas Schwieriges lernen, dann können wir gut den Interaktionen zwischen Genen und Hirn beim Lernen auf die Spur kommen“, erklärt Patricia Kuhl, eine der Autorinnen der Studie.


Beitragsbild: fotolia #114043734 | Urheber: agawa288

Alexandra Mankarios

Über Alexandra Mankarios

Studierte Sprachlehrforscherin, Journalistin und privat ein echter Sprachenfan: Spricht vier Sprachen fließend und hat zwei unterrichtet. Begeistert sich für Semantik und würde gern einmal ihr eigenes mentales Lexikon aufschlagen.

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