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Digitaler Mix: das Beste aus zwei Welten

Digital offline

Junge Menschen sind gerne online, doch beim Lernen ist das nicht immer hilfreich. Beim Vokabelnpauken zum Beispiel. Da liegt die Wahrheit in der Mitte, noch jedenfalls.

Wissen die Digital Natives von heute überhaupt, wie mühsam es noch vor 25 Jahren war, englische Muttersprachler live zu hören oder aktuelle, auf die eigenen Interessen zugeschnittene Texte in der Fremdsprache zu finden? Im Internet-Zeitalter ist das ganz einfach: Da plaudern englischsprachige Youtube-Stars über Stylingtipps oder Online-Games, Serienfans von Anchorage bis Wladiwostok diskutieren gemeinsam die neuesten Gerüchte über eine kommenden Staffel – die Netzgemeinde ist international. Wer auf dem Laufenden bleiben will, tut das auf Englisch und übt sich damit ganz nebenbei auch in der Fremdsprache.

Genau hinsehen bei digitalen Vokabeltrainern

Deutlich weniger Möglichkeiten bietet das Internet allerdings, wenn es darum geht, gezielt den Wortschatz zu erweitern. Das Angebot an Online-Vokabeltrainern ist zwar gewaltig, die Qualitätsunterschiede aber auch. Das klassische Papier-Vokabelheft wirkt demgegenüber irgendwie verstaubt, wird aber immer noch an vielen Schulen eingesetzt. Immerhin hat es den Vorteil, Lernende nicht mit den Verlockungen des Internets abzulenken. Am meisten Erfolg verspricht jedoch der Mix aus alt und neu: Digital, aber offline findet neuer Wortschatz schneller und nachhaltiger den Weg ins Gehirn. Das geht zum Beispiel mit den elektronischen Wörterbüchern von Ex-word, aber auch mit einigen hochwertigen Vokabeltrainer-Apps. Unsere Übersicht stellt vor, welche Kriterien digitale Vokabeltrainer erfüllen sollten.

  • Ein Wort – viele Bedeutungen
    Viele Wörter haben keine genaue Entsprechung in der Fremdsprache. Je nach Kontext bieten sich verschiedene Übersetzungen an. Wenig sinnvoll sind Vokabeltrainer, die suggerieren, dass es für jedes deutsche Wort genau ein fremdsprachliches Gegenstück gibt. Das führt nämlich in der Praxis dazu, dass korrekte Übersetzungen beim Vokabeltraining als falsch bewertet werden.
    Mitgefuehl in Englisch
    „Mitgefühl“ auf Englisch? In orange signalisiert dieser Vokabeltrainer, dass er mit der Übersetzung „sympathy“ nichts anfangen kann. Als richtige Lösung hätte die App „empathy“ erwartet. Ein Blick in ein Wörterbuch zeigt aber, dass „sympathy“ auch korrekt ist.
    Kontext ist wichtig
    Mit einem großen roten X teilt dieser Online-Vokabeltrainer mit: Die Übersetzung „jagen“ ist falsch! Ist sie aber nicht, denn „hunt“ kann auf Englisch sowohl „Jagd“ als auch „jagen“ bedeuten. Ohne Kontext bleibt unklar, was gemeint ist.
  • Stimmt sprachlich alles?
    Im schlimmsten Fall sind die Übersetzungen des Vokabeltrainers schlicht falsch, auch das kommt vor. Zuverlässige, sprachlich korrekte Angebote basieren auf bekannten Wörterbüchern. Ist nicht klar erkennbar, aus welcher Quelle ein Vokabeltrainer seinen Wortschatz bezieht: Hände weg!
    Fehler des VokabeltrainersDieser Vokabeltrainer schafft es bei Google auf die obersten Plätze. Trotzdem stimmen nicht alle Übersetzungen. Hier war nach der deutschen Vokabel für „keiner“ gefragt. Wer „nobody“ eingibt, erfährt: Falsch, es hätte „no“ heißen müssen. Wir sagen: Oh, no! Das können selbst Anfänger besser!
  • Die Auswahl der Vokabeln
    Kostenlose Vokabeltrainer im Netz beschränken sich meist auf den Grundwortschatz oder orientieren sich an Wortfeldern wie „Meine Familie“ oder „Einkaufen“. Angebote für höhere Sprachniveaus sind hingegen kaum zu finden. Wir empfehlen: Der Wortschatz sollte sich nicht auf bestimmte Niveaus beschränken – auch Sprachanfängern begegnen bisweilen seltene Wörter. Hilfreich für Schülerinnen und Schüler sind außerdem Angebote, die sich direkt am schulischen Lehrbuch orientieren.
  • Ohne Beispielsätze kaum Lernerfolg
    Die wenigsten Lehrkräfte lassen ihre Schülerinnen und Schüler heute noch Vokabeln ohne Kontext büffeln. Aus einfachem Grund: die Merkleistung ist gering, die Gefahr, dass die Lernenden die Wörter am Ende falsch verwenden, auch. Beispielsätze hingegen helfen beim Behalten und fördern die korrekte Verwendung. Hier zeigt sich auch die Qualität vieler digitaler Wortschatz-Angebote: Liefern Sie keine Beispielsätze mit, wird vermutlich der Lernerfolg gering ausfallen.
  • Eigene Wörter speichern
    Zur Reisevorbereitung mag es sinnvoll sein, sich noch kurz vor Abfahrt mit ein wenig Notfallvokabular für die Hotelsuche oder den Einkauf im Urlaubsland zu versorgen. Lernende, die über einen längeren Zeitraum kontinuierlich eine Sprache lernen, können mit vorgefertigten Wortschatzlisten meist wenig anfangen. Ihre Wortschatzfragen sind individueller: Sie möchten wissen, was genau dieses eine Wort in genau diesem Text bedeutet. Ihnen helfen Lernangebote weiter, in denen sie ihren persönlichen Wortschatz speichern und wiederholen können – im Idealfall schnell per Knopfdruck oder Klick.
  • Nur nicht ablenken lassen!
    Online lässt sich so viel erleben: Mit Freunden chatten, schnell noch einen Song anhören und die Statusmeldung in den sozialen Netzwerken updaten. Kein Wunder, dass es vielen Schülerinnen und Schülern da schwerfällt, konzentriert zu lernen. Unser Tipp: Online-Lernangebote, bei denen laufend Werbebanner über den Bildschirm flimmern, sollten Lernende dringend meiden. Und im Idealfall laufen digitale Wortschatz-Lernangebote auch offline – wie zum Beispiel die Ex-word-Modelle von CASIO, die Web-App Phase 6 oder der PONS Vokabeltrainer.


    Beitragsbild: Fotolia 69621858, von jd-photodesign, zugeschnitten und verkleinert

Sabine Bomblat

Über Sabine Bomblat

Sabine Bomblat hat sich bereits in ihrem Pädagogik-Studium mit Didaktik- und Schulthemen befasst. Als ehemalige Redaktionsleiterin eines Schülermagazins weiß sie, wie Schüler ticken, wie sie lernen und was sie begeistert. Heute betreut sie bei Mann beißt Hund viele verschiedene Bildungskunden.

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