Fertiges Lernplakat. Fehler werden zugelassen und gemeinsam verbessert. (Foto: Christiane Vatter-Wittl)

Englisch lernen mit allen Sinnen

Fühlen, Sehen, Schmecken – Wortschatz ist nicht nur Kopfsache

Kinder und Jugendliche könnten nicht unterschiedlicher sein – das ist auch gut so. In einer Schulklasse ist diese Heterogenität für mich aber sehr oft auch eine große Herausforderung.
Meine Schülerinnen und Schüler haben so viele unterschiedliche Wurzeln sowie einen unterschiedlichen Wissensstand, aber vor allem unterschiedliche Motivationslagen. Motivation ist beim Einzelnen oft auch tagesformabhängig. Erfolge oder Misserfolge im jeweiligen Fach tun ihr Übriges, um den Lerneifer zu steigern oder stagnieren zu lassen.
Gerade im Fach Englisch ist es wichtig, alle Schülerinnen und Schüler zu erreichen. Versucht man nur schnell seinen Stoff „durchzuziehen“, werden die Motivation vieler Jugendlicher sowie die Jugendlichen selbst auf der Strecke bleiben.

Alltagsgegenstände erleichtern das Lernen

Um die ganze Klasse mitzunehmen und allen ein positives Lernerlebnis zu vermitteln, verwende ich gerne Gegenstände aus dem Alltag, die die Kinder kennen und vor allem auch anfassen dürfen.

So benutze ich zum Beispiel für die Einführung des Wortschatzes zum Thema At home in Klasse 5 häufig ein kleines Playmobilhäuschen. Mit dabei sind ein Baum, ein Bett, ein Tisch, ein Stuhl und weiteres Mobiliar. Zunächst zeige ich den Lernenden das Haus, nutze ihren Wortschatz aus der Grundschule und beschreibe in dieser Form: „This is my house. My house is yellow. It has a blue door and a red roof. There is a big kitchen. My husband likes cooking very much. Cooking is his hobby. The toilet is next to the bathroom. We have a nice garden. In summer I like sitting there. My son likes playing football there.”

Die Lerngruppe ist damit motiviert, nun auch etwas über “mein Haus” erzählen zu können. So entsteht schnell ein Unterrichtsgespräch, in dem die Schülerinnen und Schüler die Vokabeln mit den Gegenständen verbinden können. Dann dauert es nicht lange, bis sie selbst Vergleiche ziehen und von ihrem eigenen Zuhause erzählen, zum Beispiel: „I live in Regensburg. My house is not new, it is old. My house is green. It has three bedrooms, a kitchen and a bathroom. The toilet is next to the living room.“ Wenn sie nicht in einem Haus leben, sondern in einer Wohnung, geht das genauso. Alle fühlen sich mit einbezogen und vor allem ernst genommen. Natürlich dürfen sie auch ein entsprechendes Foto mitbringen, das Eingang in den Unterricht finden kann. Sehr gerne zeichnen die Jugendlichen auch einen Plan ihres Zimmers oder ihrer Wohnung. Dabei bin ich ihnen natürlich bei Formulierungen behilflich.

In einer Folgestunde lege ich das nun bekannte Mobiliar auch gerne in einen Jutebeutel, so entsteht eine Art „Fühlsäckchen“. Ein Kind darf hineingreifen und erfühlen, was sich darin befindet. Nachdem die Gegenstände jetzt leicht benannt werden können, haben wir in der Klasse wieder einen guten Anknüpfungspunkt zur Vorstunde.

Lernplakat zu Oberbegriffen, einzelne Vokabeln werden noch hinzugefügt (Foto: Christiane Vatter-Wittl)

Lernplakat zu Oberbegriffen, einzelne Vokabeln werden noch hinzugefügt (Foto: Christiane Vatter-Wittl)

Sensorik als Unterstützung der Wortschatzarbeit zum Thema „Lebensmittel und Getränke“

Bei der Einführung des Themas „Lebensmittel, Essen und Getränke“ bietet sich die Präsentation der verschiedenen Lebensmittel in natura an. Da auch beim Essen die Vorlieben der Schülerinnen und Schüler mittlerweile sehr auseinandergehen und viele Lebensmittel einfach nicht mehr bekannt sind, benutze ich Obst und Gemüse gerne in einem kleinen Sinnesparcours.

Eine Jutetasche oder eine Schuhschachtel dienen wiederum als Fühlsäckchen oder Fühlbox. In diese lege ich ein oder zwei kleinere Früchte oder Gemüse, die die Kinder auf alle Fälle kennen. Es ist aber auch immer etwas Außergewöhnliches dabei, das sich ungewohnt anfühlt oder nicht so beliebt ist, zum Beispiel ein Kohlrabi mit Blättern.
Im Anschluss an das daraus entstandene Unterrichtsgespräch biete ich einige Lebensmittel zum Verkosten an. Einige Halstücher oder Augenbinden sind notwendige Bestandteile des folgenden Ratespiels.

Zur Durchführung

Jedes Kind bekommt einen eigenen Zahnstocher. In verschiedenen Dosen habe ich zum Beispiel kleine Stückchen Ananas, Apfel, Paprika und Schokolade vorbereitet. Die Kinder sitzen in einer Reihe und haben die Augen verbunden oder geschlossen.

Vorgabe ist, jede/r muss die Lebensmittel in den Mund nehmen und probieren – außer er/sie ist gegen ein bestimmtes Obst oder Gemüse allergisch (wird vorher abgesprochen). Wenn einem Kind die Dinge nicht schmecken, darf es die Hand heben und den Inhalt des Mundes in einen kleinen Becher wieder ausspucken. Ein tolles Phänomen ist immer wieder, dass die Kinder sogar die Farbe der Paprika „rausschmecken“ können, wenn man ihnen zwei unterschiedliche anbietet.

Lernplakate zur Visualisierung

Nach der Verkostung wird aufgelöst und wir sammeln die Begriffe für das eben Gegessene. Im Unterrichtsgespräch ergänzen wir anschließend weitere Begriffe rund um das Sachfeld Fruits and Vegetables. Dabei steht das Interesse der Schülerinnen und Schüler natürlich im Vordergrund. Ein Wörterbuch muss unbedingt bereit gehalten werden, denn das ein oder andere Wort kann schon vorkommen, das auch die Lehrkraft, also auch ich, erst nachschlagen muss.

Fertiges Lernplakat, auch Fehler werden zugelassen und gemeinsam verbessert (Foto: Christiane Vatter-Wittl)

Fertiges Lernplakat, auch Fehler werden zugelassen und gemeinsam verbessert (Foto: Christiane Vatter-Wittl)

Zudem arbeite ich gerne mit Lernplakaten. Im Vorfeld dieser Sequenz sammle ich Prospekte von Lebensmittelläden oder mache Fotos in Supermärkten. Meine Schülerinnen und Schüler bekommen dann den Auftrag, aus den Prospekten die Lebensmittel auszuschneiden und aufzukleben, die sie kennen und gerne mögen.

Zur Strukturierung gebe ich ihnen fünf Kategorien vor: Fruits, Vegetables, Drinks, Sweets and Fast Food. Auf den Plakaten werden natürlich auch die Wörter schriftlich zugeordnet. Das kann in Gruppen und mit Hilfe von Wörterbüchern geschehen. Selbstverständlich sprechen die Kinder anschließend auch darüber und verwenden Redemittel zum Ausdruck von Vorlieben und Abneigungen (I like…/I don`t like…/I hate…/My favourite…). Kleine Dialoge betten den Wortschatz situativ ein.

Das gleiche Vorgehen bietet sich natürlich auch für den eingangs vorgestellten Themenbereich At home mit Prospekten von Möbelhäusern an.

Christiane Vatter-Wittl

Über Christiane Vatter-Wittl

Christiane Vatter-Wittl ist Deutsch- und Englisch-Lehrerin an einer bayerischen Mittelschule. Schreibt immer schon gerne, zum Beispiel als Autorin für einen Schulbuchverlag. Möchte hier Ideen und Konzepte zur Wortschatzarbeit im Unterricht mit Gleichgesinnten teilen.

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