Zwei Mädchen in der Schule

Englisch: Tipps für den Übergang in Klasse 5

Wie der Englisch-Einstieg in der weiterführenden Schule gelingt

In der fünften Klasse treffen Schülerinnen und Schüler mit sehr unterschiedlichen Vorkenntnissen in der ersten Fremdsprache aufeinander. Für die einen gab es in der Grundschule wenig bis gar keinen Englischunterricht von fachlich ausgebildeten Lehrkräften. Für andere gab es drei oder vier Englischstunden pro Woche seit der ersten Klasse. Manche kommen vielleicht gerade erst aus dem Ausland ins deutsche Schulsystem und haben unter Umständen noch nie Englisch gelernt oder vielleicht von Geburt an zuhause oder in der Schule durchgehend Englisch gesprochen. Insbesondere in den ersten Wochen an der weiterführenden Schule ist es also besonders spannend, den Kenntnisstand der Schülerinnen und Schüler herauszufinden und passend zu fördern.

Einstieg mit Umfrage und Mindmaps

Kürzlich unterrichtete ich eine fünfte Klasse. In den ersten vier Wochen machte ich erst einmal ein paar Umfragen. Dazu nutzte ich zum einen einen Fragebogen aus dem Cornelsen-Workbook English G21 und bat die Kinder, eine Mindmap mit englischen Wörtern anzulegen, die ihnen aus der Grundschule bekannt waren. Die Umfrage ergab, dass fast alle in der Grundschule zwei Stunden Englisch pro Woche hatten, einige seit der ersten Klasse, andere seit der dritten. Zwei Schüler gaben an, nur eine Stunde Englischunterricht gehabt zu haben, drei schrieben, dreimal in der Woche Englischunterricht gehabt zu haben. Die Umfrage zeigt auch, dass die Kinder Englisch gerne durch Hörgeschichten, Singen, Spiele und Bilder lernen.

Gemeinsamkeit: hohe Motivation

In der Mindmap zeigte sich deutlich, dass die Themen „colours“, „animals“, „body parts“ und „food“ in der Grundschule vorherrschend waren und im Gedächtnis geblieben sind. Sie sind allerdings unterschiedlich stark vertreten. Ein erster Vokabeltest, der allein der Diagnose diente, zeigte, dass die meisten Schülerinnen und Schüler sehr gute bis gute Ergebnisse in diesen Wortbereichen erzielen konnten. Auch wenn die Vorkenntnisse aus der Grundschule unterschiedlich sind, so zeigt sich eine Gemeinsamkeit: Das Lernziel der Grundschule „a positive mind-set“ wurde bei fast allen Lernenden dieser Gruppe erreicht: Die Kinder dieser Klasse waren sehr motiviert und offen für das Erweitern ihres Wortschatzes. Und diese Motivation wollte ich unbedingt erhalten (vgl. Schmidt-Schönbein). Für Wortschatzarbeit nutzten wir ein Vokabelheft, in dem die Vokabeln in Paarassoziation eingetragen wurden, diese klassische, leicht korrigierbare Lernmethode ergänzten wir durch Mnemotechniken wie das Anfertigen von Zeichnungen, Mindmaps oder Reorganisationsübungen.

Austausch über Vokabellernmethoden

Die Schülerinnen und Schüler dieser Klasse waren auch dank des sehr inspirierenden Klassenlehrers Robert Schmitz und eines tollen Lehrerteams sehr aktiv und hatten keine Scheu, Unterrichtselemente zu übernehmen. Einige stellten ihre liebsten Vokabellernmethoden (z.B. mit Karteikartensystem, als Selbstabfragesystem oder per Vokabeltrainer) in fünfminütigen Kurzpräsentationen vor, andere übernahmen die Rolle der Lehrkraft und leiteten die spielerische Vokabelabfrage am Stundenanfang. Im Unterrichtsgespräch: „Wie lernt ihr eigentlich Vokabeln?“ tauschten sie weitere Tipps aus. Außer fünf Kindern lernen alle Schülerinnen und Schüler Vokabeln auch mit der Hilfe von Mutter oder Vater. Diese Information kann situationsabhängig unterschiedlich bewertet werden. Es können sowohl Impulse gesetzt werden, sodass Schüler*Innen mehr Selbstständigkeit erhalten, als auch solche, die die Eltern-Kind-Lernvariante fördern und auch für die Kinder angeregt werden, die bisher nicht mit den Eltern lernen. Bei einem Elterngespräch kann es zum Beispiel (kurz) zur Sprache kommen, ob das gemeinsame Lernen positiv empfunden wird, oder ob es diesbezüglich Fragen gibt. Es kann sehr sinnvoll sein, wenn der Wunsch besteht, mit den Eltern auch hilfreiche Techniken zum Vokabelabfragen zu besprechen. Das sollten möglichst Techniken sein, die für alle Eltern zu bewältigen sind, auch ohne eigene hohe Englisch- und Methodenkompetenz.

Classroom Phrases strukturieren die Kommunikation in der Klasse

Als erste Themen erweiterten wir den Wortschatz in den Bereichen „Classroom Phrases“, „sich vorstellen“, „Zahlen“, „Farben“, „Zeiten“, „Wochentage“, „Dinge aus dem Schulranzen“ und „Gefühlsäußerungen“. Ich fand es besonders wichtig, den Schülerinnen und Schülern mit den Classroom Phrases auch den Wortschatz weiterzugeben, den sie benötigen, um ihren Wortschatz erweitern zu können. Also Phrasen wie „What’s the German word for this?“, „How do I say this in English?“, „How do I spell this?“. Die Classroom Phrases werden immer wieder benötigt, da sie die Kommunikation im Klassenzimmer strukturieren und eine funktionale Einsprachigkeit ermöglichen. Dabei sind die Themen so verschränkt, dass „alte“ Vokabeln immer wieder aufgegriffen werden. „Die „Wochentage“ kommen zum Beispiel bei der Einführung des Stundenplans erneut zum Einsatz, Gefühlsäußerungen werden bei fast allen Themen wieder aktiviert. Es kann sinnvoll sein, Vokabeltests insbesondere bei Themeneinheiten einzusetzen, bei denen bekannt ist, dass die Lernenden ein ähnliches Vorwissen haben. So kann verhindert werden, dass man nur die Vorkenntnisse aus der Grundschule abfragt und bewertet. Das Thema „School Subjects“ zum Beispiel war allen meinen Schülerinnen und Schülern vor unserer Unterrichtseinheit weitgehend unbekannt und tauchte in keiner der Mindmaps auf.

Mit den Grundschulen zusammenarbeiten

Sehr hilfreich für den Übergang in die fünfte Klasse waren auch immer Kooperationen zwischen den Grundschulen und der weiterführenden Schule. In einem jährlichen Meeting wurden typische Vorgehensweisen besprochen. Dabei haben wir „Gymnasialer“ oft bemerkt, dass wir von der Methodenvielfalt der Grundschullehrkräfte vieles lernen oder an vieles wieder erinnert werden konnten. Die Zusammenarbeit war für beide Seiten meist sehr fruchtbar und hat den Lernenden sehr geholfen.

Wer seine Klasse sehr gut kennt, kann außerdem leicht heterogene und homogene Lerntandems zusammenstellen. Oder in einer kurzen Metaphase der Stunde sinnvolle Paare bilden, die einander gegenseitig ihre Lernstrategien beibringen. Die Kreativität der Fünftklässler kennt da teilweise keine Grenzen. Vereinzelt habe ich schon Kinder erlebt, die sich ihre eigenen kleinen Tabu- oder Memory-Spiele zusammenbasteln, mit denen sie Vokabeln üben.

Vokabel-Spiele machen Spaß und festigen Wortschatz

Nach Vokabelspielen aus der Grundschule gefragt, erklärten die Schülerinnen und Schüler das Vokabel-Eckenraten, bei dem zu Beginn je ein Kind in jeder Ecke des Klassenraums steht: Wer eine Vokabel zuerst weiß, darf eine Ecke weitergehen. Auch das Obstsalatspiel war damals den Schülerinnen und Schülern bekannt, mir aber noch nicht. In einem Stuhlkreis wird dabei jedem Mitspieler eine Obstsorte zugewiesen (oder ein anderer Typ von Vokabel) und jeder bewegt sich einen Stuhl im Uhrzeigersinn weiter, wenn die entsprechende Vokabel genannt wird. Fällt der Oberbegriff (z.B. „Fruit Salad“), dann rutschen alle einen Stuhl weiter. Anschließend sollte man immer eine kurze Reflektionsphase einbauen, denn natürlich wird bei diesem Spiel auch viel Quatsch gemacht und es sollte kurz zur Sprache kommen, ob dies für das Spiel förderlich ist.

Eine gute Zusammenstellung von Vokabelspielen für die Übergangsphase gibt es übrigens auch online in einer Zusammenstellung von Dr. Michael Klein-Landeck.

Sehr gut geeignet, um in der fünften Klassen die Motivation zu erhalten und curriculumtypisches Vokabular zu vertiefen, sind die Kurzeinheiten von Empatico mit Themen wie „Kennenlernen“, „Wetter“ und „Unsere Spiele“, die ein virtuelles Kennenlernen mit einer Schulklasse in einem anderen Land sehr einfach möglich machen.

Sind sehr starke Schüler*Innen in der Klasse, die eventuell sogar einen muttersprachlichen Hintergrund haben, kann man diese mit „Lehraufgaben“ betrauen. Eine Schülerin in unserer Klasse hat zum Beispiel regelmäßig Texte und Vokabeln vorgelesen oder anderen Kindern Feedback gegeben. Man sollte hier nur darauf achten, dass diese Hilfe von den anderen Kindern gewünscht ist und die Leistungsstärkeren nicht in eine Besserwisserrolle gedrängt werden.

 


Beitragsbild: Pexels (Pragyan Bezbaruah)

Mareike McKim

Über Mareike McKim

Mareike McKim ist Gymnasiallehrerin für die Fächer Englisch, Deutsch und Darstellendes Spiel an einer Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe in Hessen. Sie ist UNESCO-Delegierte für die Rolle von Bildung für Frieden und Nachhaltigkeit. Gemeinsam mit ihren Kollegen beim Pestalozzi-Programm des Europarats und anderen ehemaligen Finalisten des Weltlehrerpreises setzt sie sich für nachhaltige Bildung und die Anerkennung des Lehrberufs ein. Ihr Konzept einer Bildung für Frieden und Nachhaltigkeit vertritt sie als Sprecherin und Autorin in Fortbildungen und bei Konferenzen, u.a. bei TEDxHeidelberg. Blog: www.mareikehachemer.jimdo.com Twitter: @25MaHa

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