Englische Aussprache: das Ghoti-Problem

Schreibweise und Aussprache haben auf Englisch ein kompliziertes Verhältnis. Was hilft?

Wer in einem englischen Text auf ein unbekanntes Wort stößt, kann über die korrekte Aussprache oft nur Mutmaßungen anstellen. Von gloves lässt sich nicht auf die Aussprache von cloves folgern, und Kenntnis des Wortes tough hilft noch lange nicht dabei, dough richtig auszusprechen. Eine Fülle dieser Stolpersteine stellt das bekannte Gedicht „The Chaos“ des niederländischen Englischlehrers Gerard Nolst-Trenité zusammen. Vielleicht noch unterhaltsamer nähert sich Batman dem losen Phonem-Graphem-Verhältnis der englischen Sprache, wenn er entschlüsselt, dass der Geheimcode „ghoti“ in Wirklichkeit fish bedeutet.

Die Erfinder des Ghoti-Beispiels sind allerdings nicht die Macher von Batman. Vermutlich entstammt das Wort einem Brief des englischen Verlegers Charles Ollier aus dem Jahr 1855. Ollier zufolge habe sein Sohn mit „ghoti“ eine alternative Schreibweise für fish vorgeschlagen: „gh“ werde wie im Wort enough ausgesprochen, das „o“ sei dem Wort women entlehnt, und „ti“ folge der Aussprache im Begriff action.

Die Folge des Ghoti-Problems: Schülerinnen und Schülern müssen für jedes Wort die Schriftform und die Aussprache lernen, weil sie nicht vom einen auf das andere folgern können. Und sie müssen sich zunächst einmal bewusst sein, dass die Aussprache Stolpersteine bergen kann. Was hilft ihnen dabei?

Lautschrift: Schlüssel zur korrekten Aussprache

Zum Glück für alle Englischlernenden gibt es mit der IPA-Tabelle ein System, das bei Aussprachefragen eindeutige Antworten gibt. Wer in der Lage ist, Lautschrift zu lesen, weiß sich also zu helfen, indem er im Wörterbuch nachschlägt.

Jochen Lüders vermutet in seinem Blog jochenenglish.de allerdings, dass die Lautschrift „leider von den meisten Kollegen sträflich vernachlässigt“ wird. Er plädiert dafür, dass die Lernenden zwar nicht selbst englische Wörter in Lautschrift abbilden sollen, aber immerhin bei Bedarf Lautschrift dekodieren sollten. Und er schlägt vor, schwierige Wörter gleich während der Stunde mitsamt Lautschrift an die Tafel zu schreiben. Ein paar erprobte Vorschläge, wie die Schülerinnen und Schüler üben können, Lautschrift zu entziffern, liefert der gelungene Blogeintrag ebenfalls mit.

Mit Reimen die Bewusstheit für die Aussprache stärken

Eine spielerische Möglichkeit, damit die Lernenden verinnerlichen, dass Schriftform und Aussprache im Englischen ein eher loses Verhältnis pflegen, sind Reime. Wer erst einmal selbst stuff auf enough oder word auf bird gereimt hat, erkennt schnell, dass die englische Aussprache nicht nur eine Bürde sein kann, sondern kreativen Köpfen viel Freiheit beim Reimen oder auch Rappen bietet. Hilfestellung und viele erstaunliche Reimwörter bietet die Website rhymezone.com. Gäbe es das Gedicht „The Chaos“ nicht schon – mit den hier gespeicherten Reimen ließe sich sicher ein vergleichbares Werk verfassen.

A propos „The Chaos“: Wie gut lesen Sie selbst eigentlich Lautschrift? Unser Tipp für den Selbsttest: Hier finden Sie das Gedicht in lateinischer Schrift in der linken Spalte sowie in IPA-Lautschrift rechts. Halten Sie doch einmal die lateinische Schrift zu und versuchen, die Verse nur mithilfe der Lautschrift laut vorzulesen!

 


Beitragsbild: Fotolia #110246109 | Urheber: TungCheung

Alexandra Mankarios

Über Alexandra Mankarios

Studierte Sprachlehrforscherin, Journalistin und privat ein echter Sprachenfan: Spricht vier Sprachen fließend und hat zwei unterrichtet. Begeistert sich für Semantik und würde gern einmal ihr eigenes mentales Lexikon aufschlagen.

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