Immer in Bewegung bleiben – auch im Lateinunterricht

Lernen und Bewegung – Bewegung und Lernen

Bewegung und Lernen verträgt sich gut. Das hat nicht nur der Spiegel in seiner Ausgabe „Schnell im Kopf – Wie Bewegung das Denken verbessert“ (32/15) noch einmal betont. Auch der Sportartikelhersteller ASICS gibt uns durch seinen Firmennamen zu verstehen, dass Geist und Körper sich gegenseitig beflügeln können. Löst man das Akronym auf, kommt folgender Satz zum Vorschein: Anima Sana In Corpore Sano. Diese Variation des Juvenalzitats „Orandum est, ut sit mens sana in corpore sano“ (Juvenal, sat. X 356) bringt es auf den Punkt, auch wenn dabei jedem klar sein muss, dass er nicht automatisch zum „Blitzmerker“ mutiert, sobald er Asics-Schuhe an den Füßen hat. Jedoch wird deutlich, dass der Körper gesund sein sollte, um den Geist zur Höchstleistung zu bringen. Bewegung hat selbstredend einen erheblichen Anteil daran, dass der Körper dauerhaft stark und resistent sein kann.

Bewegung im Unterricht – unmöglich?

Außer im Sportunterricht besteht Bewegung im Unterricht für unsere Schülerinnen und Schüler lediglich darin, zur Tafel vorzugehen oder den in der Pause vergessenen Toilettengang nachzuholen. Den größten Teil der Unterrichtszeit sitzen unsere Lernenden auf ihren Hosenböden, meist auf eher unbequemen und ergonomisch unvorteilhaften Holzstühlen. Und das doch fast fünf Stunden pro Schultag.

Bewegung im Unterricht – möglich und machbar!

Nimmt man sich mal seinen Methodenpool für die Wortschatzarbeit vor und versucht, diese Methoden mit dem Begriff „Bewegung“ in Verbindung zu bringen, stellt man relativ leicht fest, dass das gut zusammenpasst. Ich möchte nun im Folgenden eine vielleicht eher unbekannte Methode vorstellen, die zeigen soll, wie sich Bewegung und Wortschatzarbeit im Lateinunterricht koppeln lassen.

Beispiel 1: Memory

Das allseits bekannte Kinderspiel „Memory“ ist als Methode für die Wortschatzarbeit im Fremdsprachenunterricht bestens geeignet. Es werden Karten erstellt mit lateinischen Vokabeln in der Grundform und ihren entsprechenden Bedeutungen.

 

 

Die Karten werden verdeckt durchmischt und verteilt, dann wird nach den üblichen Regeln gespielt. Findet einer der Spieler ein Paar, das zusammenpasst, darf er weitersuchen, solange, bis er kein Paar mehr findet.

Diese Grundidee lässt sich sehr einfach auf ein Bewegungsspiel übertragen. Die Klasse wird in zwei Mannschaften unterteilt, die Tische und Stühle an den Rand des Klassenzimmers geräumt. Die Memorykarten kommen nun (am besten mit Magneten) auf die beiden Rückseiten der Tafel und los geht´s. Ein Teammitglied läuft los und deckt zwei Karten auf. Passen sie zusammen, legt er oder sie die Karten ab und deckt zwei weitere auf. Stimmen lateinische Vokabel und deutsche Bedeutung nicht überein, ist ein anderes Teammitglied an der Reihe. Während der Wartezeit werden die Schülerinnen und Schüler eifrig darüber diskutieren, wo welche Karten genau zu finden sind und sind so auch in ihrer „Pause“ beschäftigt.

Natürlich wäre es auch möglich, die Karten offen an die Tafel zu pinnen. Dies würde sich bei neuen oder schwierigen Vokabeln anbieten. Ist aber eher die Schmalspurvariante und macht wahrscheinlich nur halb so viel Spaß …

Variationen:

  • kurze lateinische Wendungen (z. B. iter facere – marschieren)
  • Synonyme (cedere – ire)
  • Antonyme (magnus – parvus)
  • Subjekte und Prädikate (servi – laborant)
  • (…)

Beispiel 2: Vokabellauf

Diese Methode eignet sich vor allem für die zähen Stunden am Nachmittag. Man kann damit sowohl der Motivationslosigkeit in der Klasse entgegenwirken, als auch die Tatsache ausnutzen, dass das Schulhaus um diese Zeit meistens verwaist ist.

Im ganzen Stockwerk (oder sogar im ganzen Schulhaus) werden Vokabelkarten bereitgelegt. Die Vokabelkarten werden wie Karteikarten beschriftet: Lateinische Grundform auf die Vorder-, Lernformen und deutschen Bedeutung(en) auf die Rückseite.

 

 

 

 

Die Jugendlichen haben vor sich eine Blankoliste liegen, die es auszufüllen gilt. Auf ein Kommando laufen sie in kleinen Teams (max. 2-3 Personen) los und suchen nach den ausgelegten Vokabelkarten. Haben sie eine gefunden, müssen sie sich alle Informationen auf der Karte einprägen (am besten per Eselsbrücke, mithilfe einer kurzen Geschichte oder durch das Gespräch mit den Mitschülerinnen und Mitschülern) und zurück ins Klassenzimmer laufen. Die Vokabelkarte bleibt am Fundort für die anderen Teams liegen. Im Klassenzimmer wird alles in die Liste übernommen und die nächste Etappe beginnt. Das Team, das zuerst alle Vokabeln gefunden und korrekt eingetragen hat, gewinnt.

Auch für diese Methode lassen sich natürlich zahlreiche Varianten finden.

Lernen und Bewegung als Hausaufgabe

Zum Schluss will ich noch eine kleine Möglichkeit zeigen, wie die häusliche Vokabelarbeit und Bewegung miteinander kombiniert werden können. Den Lernenden wird die Hausaufgabe gegeben, mit den Karteikarten spazieren zu gehen. Sie sollen sich besonders die Vokabeln der aktuellen Lektion vornehmen (nicht mehr als 5-7) und auf ihrem Spaziergang versuchen, jede einzelne Vokabel mit einem Ort auf ihrem Weg zu verknüpfen. Das kann z. B. die Eisdiele sein, eine alte Eiche, die Schaukel auf dem Spielplatz, der Glockenturm der Kirche usw. So lassen sich Verbindungen herstellen, die dazu dienen können, die Vokabeln tief im Langzeitgedächtnis zu speichern. Ohne mehrmalige Umwälzung im Unterricht geht es natürlich nicht, das ist klar.

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Beitragsbild: Fotolia #115985883 | Urheber: Traumbild

Dennis Gressel

Über Dennis Gressel

Dennis Gressel ist ein waschechter Badener und unterrichtet seit 2006 am altsprachlichen Bismarck-Gymnasium in Karlsruhe die Fächer Latein, Sport und Ethik. Er ist auch in der Weiterbildung für Lehrkräfte tätig und möchte hier seine Ideen zu einem modernen und motivierenden Lateinunterricht einbringen.

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