In Klasse 5 motiviert durchstarten

Seit wenigen Tagen sind wieder alle Bundesländer im Schulalltag angekommen, die Ferien sind vorbei. Vielerorts freuten sich die ABC-Schützen auf einen neuen Lebensabschnitt. Aber auch viele der großen Kinder freuen sich auf eine neue Jahrgangsstufe oder sogar eine neue Schule.

So fangen auch an meiner Schule jedes Jahr mindestens zwei neue fünfte Klassen an. Vor allem im Fremdsprachenunterricht ist es sehr bewegend mitzuerleben, wie die Kinder aus verschiedenen Grundschulen zusammenkommen und ihre unterschiedlichen Vorerfahrungen mitbringen.

Zwar ist der Englischunterricht an der Grundschule seit etlichen Jahren bei uns in Bayern fest im Lehrplan verankert, doch merkt man deutlich an den Schülerinnen und Schülern, welche Affinität die Lehrkräfte der abgebenden Grundschulen zu der Sprache hatten. Das soll nun keineswegs die Arbeit der Kollegen schmälern – aber nicht alle Grundschulen räumen dem Fach Englisch die gleiche Priorität ein. Deshalb sind die Grundkompetenzen, die die Kinder mitbringen, etwas, auf das ich mich mit jeder fünften Klasse neu einstellen kann und werde.

Vorwissen zusammentragen

Erwartungsgemäß bringen die Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Grundschulen auch verschiedenen Wortschatz, verschiedene Redemittel sowie unterschiedliche Lieder und Gedichte mit. Dieses zusammenzuführen und sprachlich nutzbar zu machen, ist die Aufgabe der Lehrkraft – also meine. Ich finde diesen Prozess immer sehr spannend: Indem wir gemeinsam die sprachlichen Fähigkeiten bei den Kindern abrufen, werden diese selbst zu Instruktoren. Es ist also durchaus nicht so, dass wir in der fünften Jahrgangsstufe mit dem Englischunterricht ganz von vorne anfangen müssen, wie von mancher Lehrkraft immer noch bemängelt wird. Man muss sich nur auf die Kinder einlassen und zulassen, dass sie ihr Wissen bereitstellen. Und gerade das erhöht auch ihre Motivation erheblich.

Zeit für den Übergang nehmen – das ganze Schuljahr hindurch

Das ganze Jahr über frage ich – je nach Unit des Lehrbuches – immer wieder die Grundkompetenzen ab, gemeinsam führen wir das Wortwissen der Kinder immer wieder zusammen und stärken es. Zum Beispiel benennen wir verschiedene Gegenstände im Klassenzimmer. Für diejenigen, die noch nicht so viele Vokabeln können, visualisiere ich die Wörter zusätzlich mit Wortkarten. So füllt sich das Klassenzimmer schnell mit ganz vielen bunten Kärtchen und die Schülerinnen und Schüler sind stolz auf das, was sie schon alles wissen. Spielerisch üben wir die Vokabeln dann immer wieder, denn am Spielen haben alle nach wie vor großen Spaß, egal, welche Voraussetzungen sie sonst mitbringen.

Wortkarten mit englischen Vokabeln im Klassenzimmer (Foto: Christiane Vatter-Wittl)

Wortkarten mit englischen Vokabeln im Klassenzimmer (Foto: Christiane Vatter-Wittl)

Neue Herausforderung: Englisch schreiben

Schwieriger wird es beim leidigen Thema des richtigen Schreibens von Vokabeln. Aber das ist mit Übung und Wiederholung gut zu schaffen. Damit die Kinder von Anfang an verstehen, dass sie schon eine Menge Wörter kennen und diese nun auch richtig schreiben lernen, nutze ich verschiedene spielerische Möglichkeiten.

Spätestens beim ersten Vokabeltest sehen die neuen Sekundarschüler dann, dass sich auch das richtige Schreiben und das Lernen schnell und leicht auszahlen kann, schließlich werden sie in den meisten Fällen mit einer guten Note belohnt. So ist auch dieses Eis schnell gebrochen.

Motivationsschub: Postkarten schreiben

Je mehr Wortschatz die Kinder haben, desto besser können sie sich ausdrücken. Hier bieten sich dann immer die Ferien an für eine schöne und motivierende Hausaufgabe. Ich möchte dann von jedem und jeder Einzelnen in meiner Klasse eine Postkarte bekommen. Postkarten sind ein aufregendes Medium. Zum einen können die Schülerinnen und Schüler, falls sie tatsächlich verreisen, eine Karte aus dem Ferienort schreiben. Aber auch die daheim Gebliebenen können eine schöne Karte gestalten. Im Vorfeld besprechen wir selbstverständlich, wie man eine Postkarte schreibt. In Zeiten von Messenger-Diensten und sozialen Netzwerken wissen Jugendliche nur noch wenig über Postkarten, Briefe und deren Versand. Ich fördere diese Basiskompetenzen gerne im Englischunterricht, da ich auch persönlich eine Postkarte aus dem Urlaub schöner finde als eine schnelle Statusmeldung im Messenger des Handys.

Ist niemand unterwegs in den Ferien oder kann sich das Abschicken einer Postkarte nicht leisten, ist das auch kein Problem. Entweder schneide ich im Vorfeld farbige Karten zurecht, die die Mädchen und Jungen dann gestalten können oder ich nehme kostenlose Motivkarten mit, die in größeren Städten oftmals in Restaurants zum Mitnehmen ausliegen. Kommen die Karten dann in bzw. nach den Ferien wirklich an, ist die Freude der Jugendlichen riesengroß. Wir lesen die Karten zusammen durch und gestalten eine Pinnwand, auf der wir alle Feriengrüße verewigen.

In höheren Klassenstufen schreiben wir statt Postkarten E-Mails. Und auch die Einladungskarten für unser internationales Frühlingsfest verfassen wir auf Englisch.

Freude an der Fremdsprache auch in der Sekundarstufe erhalten

Ich muss sagen, ich hatte bisher immer Glück: Die Grundschulen, aus denen meine Schülerinnen und Schüler kommen, vermitteln viel Spaß im Fremdsprachenunterricht – und viel sprachliches Können. So ist es ein Leichtes, die Kinder dort abzuholen, wo sie stehen.

Sicherlich ist es nicht immer leicht sicherzustellen, dass trotz der unterschiedlichen Vorkenntnisse alle ein Basisniveau erreichen, auf dem sie zuverlässig aufbauen können. Aber wenn ich sehe, wie viel Spaß die Kinder beim Englischlernen haben, finde ich es umso schöner, bei ihrem individuellen Vorwissen anzuknüpfen und damit weiterzuarbeiten. Daher gilt mein Dank heute den Grundschullehrerinnen und -lehrern, die eine tolle Arbeit leisten.

Christiane Vatter-Wittl

Über Christiane Vatter-Wittl

Christiane Vatter-Wittl ist Deutsch- und Englisch-Lehrerin an einer bayerischen Mittelschule. Schreibt immer schon gerne, zum Beispiel als Autorin für einen Schulbuchverlag. Möchte hier Ideen und Konzepte zur Wortschatzarbeit im Unterricht mit Gleichgesinnten teilen.

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