Kurzgeschichten 2.0

Literaturanalyse an Fernsehserien erproben

Im beruflichen Gymnasium dreht sich bei uns im 3. Semester der Qualifikationsphase alles um Literatur. In der Regel fangen wir mit Kurzgeschichten an. Manche Schülerinnen und Schüler kann man mit Literatur begeistern, viele jedoch leider nicht. Also habe ich mir letztes Jahr ein Projekt ausgedacht, durch das ich meinen Schülerinnen und Schülern zeigen konnte, dass ihnen ständig Kurzgeschichten begegnen.

Kurzgeschichten im Leben der Jugendlichen

Frage ich die Schülerinnen und Schüler nach ihrer liebsten Freizeitbeschäftigung, kommt häufig die Antwort: „Netflix und chillen!“ Vor allem Serien sind sehr beliebt. Und schon habe ich einen Anknüpfungspunkt für Kurzgeschichten im Leben der Schülerinnen und Schüler! Nahezu jede Folge einer Serie läuft nämlich nach dem Schema einer Kurzgeschichte ab und lässt sich mithilfe der „Literary Landscape“ analysieren. Die Literary Landscape habe ich vor einiger Zeit in „Praxis Fremdsprachenunterricht“ entdeckt. Sie dient eigentlich zur Analyse von Graphic Novels, lässt sich aber auch hervorragend für andere Erzählformate wie eben Kurzgeschichten oder auch TV-Serien nutzen. Sie stellt den Verlauf einer Geschichte mit den Fachbegriffen rising action, foreshadowing, plot, conflict, symbols, themes, climax, falling action und resolution dar.

So lief das Serienprojekt ab

Also bekamen meine Schülerinnen und Schüler die Aufgabe, sich in kleinen Gruppen auf eine Serie zu einigen. Daraus wählen sie dann eine Folge aus – sie sollte zwischen 20 und 45 Minuten lang sein – und bereiteten eine kleine Präsentation vor. Hierbei sollten sie zuerst die allgemeinen Informationen wie etwa characters, setting, time span usw. präsentieren. Dann haben wir die Folge mit dem gesamten Kurs auf Englisch geschaut. Anschließend hat die Gruppe gemeinsam mit dem Kurs die Elemente der Literary Landscape analysiert. Natürlich hatte die präsentierende Gruppe eine Musterlösung vorbereitet.

Aufgabenblatt Series project

Aufgabenblatt Series project

Wortschatzarbeit mit Spaß dabei

Schon bei der Vorbereitung fand sehr viel Wortschatzarbeit statt. Denn witzigerweise haben die Schülerinnen und Schüler häufig Folgen ausgewählt, die sie auf Deutsch noch gar nicht gesehen hatten. Somit war das elektronische Wörterbuch eine echte Hilfe beim Verständnis und bei der Vorbereitung. Das EX-word glühte teilweise regelrecht, auch bei der Analyse im Plenum wurde es viel genutzt. Nicht alle Jugendlichen kannten alle Serien – und das war gut so. Dadurch entwickelte sich automatisch viel Wortschatz- und Mediationsarbeit, sowohl in der präsentierenden Gruppe, als auch unter den Schülerinnen und Schülern im Plenum, um den Inhalt der jeweiligen Serie zu verstehen und dann zu analysieren. Selten habe ich meine Klasse mit so viel Eifer miteinander diskutieren sehen.

Welche Serien wurden von ausgewählt? Hier ein Auszug, die Auswahl ist riesig:

  • Friends
  • Gossip Girl
  • Trailor Park Boys
  • Sherlock

Natürlich wurde von den Jungs erstmal ein wenig gestöhnt, als sie gehört haben, dass sie sich eine Folge „Gossip Girl“ angucken sollen, und andersherum hatten die Mädchen zuerst keine Lust, „Trailor Park Boys“ zu gucken. Aber dann haben sie alle doch überall mitgelacht, diskutiert und analysiert – es war also gar nicht so schlimm!

Fazit zum Unterrichtsprojekt „Kurzgeschichten 2.0“

Es wurde sehr viel diskutiert und das EX-word kam wunderbar bei der Suche nach Wörtern im Unterricht zum Einsatz. Meine Klasse war total motiviert, da alle sich die Serien selbst aussuchen konnten. Ihr Feedback hat mit noch einmal bestätigt, dass sie viel Spaß an dem Projekt hatten. Die Arbeit mit ihren elektronischen Wörterbüchern beherrschen sie mittlerweile so gut, dass es ihnen selbst häufig gar nicht mehr auffällt, wenn sie danach greifen. Ihr Wortschatz hat sich wieder einmal deutlich erweitert, das freut mich sehr.

Habt Ihr eventuell noch Tipps für mich, wo und wie ich Literatur auf die Lebenswelt der Jugendlichen übertragen kann? Mir ist das Herz aufgegangen, als ich gesehen habe, mit wie viel Spaß die Schülerinnen und Schüler auf einmal an Literatur gearbeitet haben. Deshalb bin ich auf Eure Ideen gespannt!

 


Beitragsbild: Marian Kroell | Unsplash

Über Eva Bär

Eva Bär ist studierte Diplom-Handelslehrerin mit den Fächern Wirtschaft und Englisch. Sie unterrichtet seit vier Jahren mit viel Leidenschaft an der BBS Buxtehude und auch am RBZ Steinburg in Itzehoe. Ohne Wortschatz kann ihrer Meinung nach gar keine Kommunikation stattfinden und ist somit unerlässlich beim Erlernen einer Fremdsprache.

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