Lachen und lernen: Nomen und Adjektive ergeben ein tolles Gesellschaftsspiel

„Was ist nochmal ein Adjektiv?“ „Und was ist ein Nomen?“ Grammatische Konzepte sind für Schüler*innen oft schwer zu fassen. Da im Englischen fast alle Wörter mit kleingeschrieben werden, ist das Erkennen von Nomen zusätzlich erschwert. Moderner Grammatikunterricht ist auch Wortschatzunterricht: Über die Wortebene lassen sich grammatische Konzepte oft leichter verinnerlichen. Sehr hilfreich dabei kann ein Brettspiel sein, das im englischsprachigen Raum bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen sehr beliebt ist: Ob für Vertretungsstunden oder als Teil des Unterrichts in allen Klassenstufen – das Spiel „Apples to Apples” bietet jede Menge Spaß und tolle Möglichkeiten, Vokabeln zu lernen und zu festigen sowie Wortgruppen zu verinnerlichen.

So funktioniert das Spiel „Apples to Apples“

Im Prinzip geht es so: Es gibt einen Stapel von Karten mit Adjektiven und einen weiteren, großen Kartenstapel mit Nomen, Begriffen und Konzepten. Vier bis acht Spieler*innen erhalten jeweils fünf Begriffskarten. Die Adjektivkarten liegen verdeckt in einem Stapel in der Tischmitte.

Person A deckt eine Adjektivkarte auf, zum Beispiel „fluffy”. Nun suchen alle anderen Spieler*innen aus den Karten auf ihrer Hand jeweils eine aus, die gut zu diesem Adjektiv passt. Ein Spieler hat eventuell die Begriffe „dogs”, „cornflakes”, „My little Pony”, „marshmallows” und „dragons” auf der Hand und entscheidet sich möglicherweise für “marshmallows” – das wäre naheliegend. Die entsprechende Karte wird verdeckt in der Tischmitte abgelegt. Alle anderen Spieler*innen verfahren genauso. Person A mischt nun alle abgelegten Karten, deckt sie auf und entscheidet sich für die Karte, die ihrer Meinung nach am besten zum Adjektiv „fluffy” passt. Die Person, deren Karte ausgewählt wurde, gewinnt den Durchgang und erhält die Adjektivkarte. Ab jetzt geht es reihum bis alle Adjektivkarten aufgebraucht sind.

Unvermeidlich: witzige Wortkombinationen

Das Lachen ergibt sich ganz von selbst. Nicht jede*r Mitspieler*in wird eine so passende Karte wie „marshmallows” zur Verfügung haben. Wer bei „fluffy” also „cars” ablegt, wird dafür vielleicht ein paar fragende Blicke ernten oder eben ein paar herzliche Lacher. Besonders spannend sind auch wertende Begriffe wie „nasty”. Viele Spieler*innen suchen dann gerne den Namen eines Popstars aus, falls sie eine solche Karte auf der Hand haben, zum Beispiel „Justin Bieber“. Ob dieser dann als „nasty” oder als „lovely” gilt, liegt natürlich völlig im Auge des Betrachters.

Ähnlich ging es uns kürzlich als ich beim Adjektiv „nasty”, die Nomen „garbage”, „glitter”, „dishes”, „toe nails” zur Auswahl gereicht bekam. Eine gute Auswahl, möchte man denken! Keines der Kinder hätte vermutlich den Begriff „glitter” ausgewählt. Mir erschien dieser aber durchaus am ehesten als „nasty”– ich hatte kurz zuvor einen Artikel über die unauflösbare Schädlichkeit von Glitzerpartikeln für Tiere und Natur gelesen. Da war die Auswahl für mich einfach, für die Schüler*innen allerdings sehr überraschend.

Junior- oder Party-Edition erhältlich

Das Spiel ist in Deutschland in der englischen Version erhältlich, die Firma Mattel bringt es heraus. Wer die gekaufte Version bestellen möchte, sollte beachten, dass es die Editionen „Junior” (grüne Verpackung) oder „Party in a Box” gibt. Letztere ist für Erwachsene bzw. Muttersprachler ab zwölf Jahren gedacht. Die Erwachsenenversion würde ich nur für fortgeschrittene Oberstufenkurse empfehlen, sie kann zum Anregen eines Diskurses über das aktuelle Weltgeschehen dienen. Für alle anderen Alters- und Kompetenzstufen ist die Junior-Version besser geeignet.

„Apples to Apples“ selbstgebastelt

Das Spiel lässt sich für oder mit Schüler*innen auch selbst herstellen. Insbesondere, wenn man während des Schuljahres neue Vokabeln auf Karteikarten notiert hat, kann man daraus schnell eine eigene Spielversion erstellen. Man sortiert einfach alle gelernten Adjektive auf einen Stapel und alle gelernten Begriffe/Nomen auf einen zweiten Stapel. Die beiden unterschiedlichen Wortgruppen kann man auch farblich markieren, damit die Stapel nicht durcheinander geraten. Und schon kann das Spiel beginnen! Wer keine Vokabellernbox hat, kann auch aus dem Gedächtnis, dem Schulbuch, der letzten behandelten Ganzschrift oder dem benutzten elektronischen Wörterbuch die wichtigsten Vokabeln auf Karten schreiben und so ein eigenes, individualisiertes Spiel zusammenstellen.

Spielkarten für "Apples to Apples" lassen sich leicht selbst basteln.

Spielkarten für „Apples to Apples“ lassen sich leicht selbst basteln.

Die gekaufte Version hat allerdings noch einen Vorteil: Auf jeder Karte werden sowohl die Adjektive als auch die Nomen noch einmal mit Synonymen umschrieben oder durch Erklärungen ergänzt. So kann man beim Spielen dem Gedächtnis noch einmal auf die Sprünge helfen. Ein (elektronisches) Wörterbuch zur Hand zu haben, das während des Spiels ein unauffälliges Nachschlagen ermöglicht, ist eine zusätzliche Hilfestellung.

Mit Humor fällt Lernen leichter

Für mich ist „Apples to Apples” immer ein gern gesehener Begleiter: Ob zuhause mit den Kindern, in der Schule oder bei einer Feier mit anderen, die gerne Englisch sprechen – es macht einfach auf intelligente Weise Spaß und schult das Sprachgefühl. Davon kann man auch im Unterricht profitieren. Die Schüler*innen erinnern sich an Vokabeln, die sie mit einem Lachen gelernt oder wiederholt haben, oft für immer. Außerdem finde finde ich es toll, Elemente im Unterricht einzubauen, die Jugendliche in englischsprachigen Ländern tatsächlich gerne, freiwillig und zur Unterhaltung spielen, ansehen oder lesen. „Apples to Apples” ist so ein Spiel, bei dem man als Lehrer*in das Gefühl hat, etwas vorzuschlagen, das von der Klasse gerne angenommen wird. Und am Ende ist es gar nicht mehr so schwer zu erklären und zu verstehen, was ein Adjektiv ist.

Mareike McKim

Über Mareike McKim

Mareike McKim ist Gymnasiallehrerin für die Fächer Englisch, Deutsch und Darstellendes Spiel an einer Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe in Hessen. Sie ist UNESCO-Delegierte für die Rolle von Bildung für Frieden und Nachhaltigkeit. Gemeinsam mit ihren Kollegen beim Pestalozzi-Programm des Europarats und anderen ehemaligen Finalisten des Weltlehrerpreises setzt sie sich für nachhaltige Bildung und die Anerkennung des Lehrberufs ein. Ihr Konzept einer Bildung für Frieden und Nachhaltigkeit vertritt sie als Sprecherin und Autorin in Fortbildungen und bei Konferenzen, u.a. bei TEDxHeidelberg. Blog: www.mareikehachemer.jimdo.com

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