Mit Wortschatzarbeit in die Lektüre „The Hunger Games“ einsteigen

Wer mit Schüler*innen der zehnten oder elften Klasse eine Ganzschrift liest, hat oft mit Herausforderungen zu kämpfen. Wir hoffen, dass Jugendliche schon früh an Romane in einer Fremdsprache herangeführt werden. Dennoch könnte es für viele Jugendliche das erste Mal sein, dass sie ein Buch in der Fremdsprache in der Hand halten, das kein Schulbuch ist. Lässt man die Schüler*innen eine Lektüre wählen, entscheiden sie sich häufig für „The Hunger Games” (deutsch: Die Tribute von Panem). Der erste Teil der Trilogie ist 2008 erschienen, der erste Film kam 2012 ins Kino. Auch durch die Mehrbändigkeit sind die Bücher und Filme bei Jugendlichen weiterhin sehr beliebt.

„The Hunger Games“ im Überblick

Im ersten Teil der Trilogie geht es um das fiktive Land Panem, wo seit über 70 Jahren “Hungerspiele” stattfinden. Bei diesen Spielen werden aus jedem der zwölf Distrikte des Landes zwei Jugendliche ausgewählt, die in einer Arena solange miteinander ums Überleben kämpfen müssen, bis nur noch ein*e Gewinner*in lebt. Diese grausamen Spiele werden im ganzen Land per TV übertragen. „The Hunger Games“ ist eine Geschichte über Unterdrückung, Diktatur, Klassengesellschaft, Überwachung und mediale Zurschaustellung, Rebellion, Zusammenhalt und Identitätsfindung, eine moderne Dystopie mit einer faszinierenden Heldin: der 16-jährigen Katniss Everdeen.

Im ersten Kapitel lernen wir Katniss kennen, die auch die Erzählerin des Romans ist. Sie jagt und versorgt ihre Familie, die in Armut lebt. Mit ihrem Freund Gale bespricht sie, wie es wäre, dem Land zu entfliehen und in den Wäldern zu leben, auch um der Ungerechtigkeit der Hungerspiele zu entgehen. Bei der Auswahl der jugendlichen Kämpfer (Tribute) haben ältere und ärmere Jugendliche eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, in die tödliche Schlacht eingezogen zu werden. Auf dem Marktplatz erklärt der Bürgermeister die Geschichte und die Regeln der Hungerspiele. Der erste Name, der für die Spiele gezogen wird ist – entgegen aller Wahrscheinlichkeit – Primrose Everdeen, Katniss‘ zwölfjährige Schwester.

Die Lust am Lesen trotz unbekannter Vokabeln anregen

Oft ermutigen wir unsere Schüler*innen, bei einem Roman „einfach loszulegen” und sich „um Vokabeln keine großen Sorgen zu machen”, „bloß nichts nachschlagen, das bremst das Lesevergnügen”. Oft genug erlebe ich aber, dass das Nichtverstehen von Vokabular Schüler*innen davon abhält, über den ersten Absatz hinaus weiterzulesen. Auch wenn mein Einstieg ins Thema vermeintlich enorm motivierend und aktivierend war. Einige versuchen dann tatsächlich akribisch beim Lesen jedes Wort nachzuschlagen, andere geben auf und fassen die Lektüre nie wieder an.

In „The Hunger Games” wird eine ausdrucksstarke Sprache verwendet, die an vielen Stellen für Fremdsprachenlerner eine Möglichkeit zur Wortschatzerweiterung, aber auch eine Herausforderung darstellt. Meines Erachtens lohnt sich deshalb der Einstieg in die Lektüre über den Wortschatz. Eine gezielte Vorentlastung kann sowohl inhaltlich vorbereiten als auch das Leseerlebnis angenehmer gestalten.

Gezielte Vorentlastung mit Vokabelspielen

Glücklicherweise gibt es auf vocabulary.com hilfreiche Vokabellisten für alle Kapitel des Romans. Für das erste Kapitel sind hier beispielsweise 54 Vokabeln mit englischer Erklärung und einem Beispielsatz aus der Lektüre aufgelistet. Darunter: „victor”, „repentance”, „ease”, „humiliate”, „treason”, „treaty”, „prosperity”, „mandatory”, „eligible” – Begriffe, die in vielen Themengebieten der Oberstufe wieder benötigt werden, wenn es um soziale Themen geht. Der Wortschatz befähigt die Schüler*innen auch, englischsprachige Nachrichten verfolgen zu können oder (später einmal) international politisch engagiert zu sein.

Vocabulary.com bietet die Gelegenheit, kostenfrei mit den Vokabeln zu arbeiten. In Übungssitzungen wird beispielsweise ein neues Wort präsentiert, zu dem aus vier Vorschlägen die passende Definition ausgewählt wird. In der Rubrik „Spelling Bee” liest das Programm eine Vokabel vor. Anschließend wird das Wort getippt, bis die Schreibweise stimmt. Die Schüler*innen können sich außerdem zu Vokabelspielen herausfordern, bei denen sie gegeneinander antreten. Sie können dabei den Schwierigkeitsgrad, die Geschwindigkeit und die Anzahl der Teams auswählen.

Wer mit den Schüler*innen nicht im Programm selbst arbeiten möchte, kann auch analog von der 54-Wort-Liste profitieren. Die 54 Vokabeln, ihre Erklärungen und Beispielsätze lassen sich einfach auf DIN A4-Format vergrößern und ausdrucken.

So erhält jede*r Schüler*in zwei bis drei Vokabeln. Die Lehrkraft liest einen kurzen Text (mit deutlicher Aussprache und großen Gesten) vor, der alle Vokabeln enthält. Die Schüler*innen verstehen diesen zu diesem Zeitpunkt zwar noch nicht vollständig. Sie können aber durch den Vergleich von Klangbild und Schreibweise vermutlich ihre eigenen Begriffe erkennen. Wenn sie einen ihrer eigenen Begriffe hören, melden sie sich, stehen auf oder führen eine Geste durch, die an die Begriffsbedeutung erinnert. Eventuell kann und sollte das Vorlesen wiederholt werden.

Auf jedem ihrer Blätter zeichnen die zugehörigen Schüler*innen ein Symbolbild, das dabei hilft, die Vokabel mit der Bedeutung zu verknüpfen. In einem Zweierteam stellen sie sich die neue Vokabel vor, nutzen dabei möglichst große Gesten, pantomimische Darstellungen und viele Wiederholungen, bis die neuen Worte eingeprägt sind. Dann sucht das Zweierteam ein weiteres Zweierteam und wiederholt den Vorgang so lange, bis sie möglichst viele Vokabeln kennen gelernt haben. Der Vorgang kann in einem großen Finale vor der Klasse enden, in dem Teams oder Einzelpersonen gegeneinander antreten.

Im Anschluss liest die Lehrkraft erneut den Text mit allen Vokabeln vor, der nun von den Schüler*innen besser verstanden werden sollte. Schriftlich können die Schüler*innen jetzt entweder Hypothesen aufstellen, worum es im ersten Kapitel von „The Hunger Games” geht oder sie schreiben selbst eine Schlagwortgeschichte (oder einen Raptext, falls manche so etwas interessiert, oder – in Partnerarbeit – einen Dialog), worin möglichst viele der neuen Vokabeln vorkommen.

Manchmal gibt es hier Überraschungen. Sonst oft zurückhaltende Schüler*innen legen plötzlich eine Geschichte mit über 30 neuen Begriffen vor und sind stolz, diese vorzutragen. Wenn die Klasse die 54 Vokabeln einmal verinnerlicht hat, steht der eigenständigen Lektüre des ersten Kapitels nichts mehr im Weg.

 


Beitragsbild: Mareike McKim

Über Mareike McKim

Mareike McKim ist Gymnasiallehrerin für die Fächer Englisch, Deutsch und Darstellendes Spiel an einer Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe in Hessen. Sie ist UNESCO-Delegierte für die Rolle von Bildung für Frieden und Nachhaltigkeit. Gemeinsam mit ihren Kollegen beim Pestalozzi-Programm des Europarats und anderen ehemaligen Finalisten des Weltlehrerpreises setzt sie sich für nachhaltige Bildung und die Anerkennung des Lehrberufs ein. Ihr Konzept einer Bildung für Frieden und Nachhaltigkeit vertritt sie als Sprecherin und Autorin in Fortbildungen und bei Konferenzen, u.a. bei TEDxHeidelberg. Blog: www.mareikehachemer.jimdo.com

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