Symphonieorxchester

Neue Saiten aufziehen beim Wortschatzlernen

Studien zeigen, dass Musik beim Wörterlernen hilft

Beschwingt geht alles besser. Man braucht keine Studien zu bemühen, um zu wissen, dass Musik die Entspannung fördern, die Atmosphäre verändern oder die Laune verbessern kann. Und wie viel weniger spannend, anrührend oder dramatisch wären Filme, wenn nicht an den entscheidenden Stellen Musik die Szenen „untermalen“ würde? Die Forschung zeigt aber, dass das noch längst nicht alles ist, was Tonkunst bewirken kann. Zum Beispiel bringen die richtigen Töne nachweislich auch das Vokabelgedächtnis in Schwung.

Bach als Merkhilfe

Über die Gründe, warum Musik die Denkleistung verbessert, gibt es verschiedene Theorien, aber kaum definitive Erkenntnisse. Möglicherweise beeinflusst der Rhythmus die Alpha-Gehirnwellen, was wiederum die Denkleistung steigert. Vielleicht spielt es auch eine Rolle, dass Musik Glücksgefühle verursacht und das Gehirn sogar umgestalten kann. Fest steht jedenfalls, dass Sprachenlerner von musikalischem Input profitieren können.

So konnte zum Beispiel die niederländische Sprachwissenschaftlerin Annette De Groot in einem Versuch nachweisen, dass klassische Hintergrundmusik zu größeren Erfolgen beim Vokabellernen führt. Sie hatte zwei Gruppen von niederländischen Studierenden die Aufgabe gestellt, 64 Wortpaare zu lernen: jeweils ein niederländisches Wort und eine angeblich entsprechende Fantasievokabel. Eine Gruppe hörte dabei das 4. Brandenburgische Konzert von Bach, die andere übte in stiller Atmosphäre. Während und nach der Übungsrunden testete sie mehrfach, wie viele Wörter sich die Studierenden gemerkt hatten.

Das Ergebnis: Die Gruppe, die beim Lernen Bach gehört hatte, konnte sich signifikant mehr Vokabeln merken. Die Unterschiede lagen bei bis zu 17,7 Prozent mehr oder weniger gewussten Wörtern zwischen den Übungsrunden. Eine Woche nach Abschluss des Wörterlernens wusste die „Musik-Gruppe“ immer noch zwischen vier und sieben Prozent mehr Vokabeln als die „Stille-Gruppe“. Am größten war der Vorsprung bei häufigen und phonologisch dem Niederländischen ähnlichen Vokabeln. Bei selteneren und phonologisch ungewöhnlichen Vokabeln war die Behaltensleistung in beiden Gruppen deutlich niedriger, aber auch hier wirkte sich die Musik positiv aus.

Vokabelsingen hilft dem Gehirn auf die Sprünge

Wer gerade keine klassische Musik abspielbereit zur Hand hat, könnte auch einfach selbst singen, um neue Vokabeln besser im Gehirn zu verankern. Das legt eine Untersuchung der Universität Edinburgh nah. Die Wissenschaftlerinnen hatten drei Gruppen von je 20 Studierenden gebeten, die gleichen ungarischen Wörter zu lernen. Jede Gruppe bekam dazu Audio-Aufnahmen der Vokabeln, die sie anhören und wiederholen sollten. Die Aufnahmen unterschieden sich allerdings erheblich voneinander. Die eine Gruppe hörte die Wörter normal gesprochen an, die zweite Gruppe bekam Aufnahmen mit stark rhythmisch gesprochenen Wörtern. In der Aufnahme für Gruppe drei wurden die Vokabeln gesungen.

Im späteren Vokabeltest zeigte sich die „Singgruppe“ klar den anderen beiden Gruppen überlegen. An zweiter Stelle stand die Gruppe, die die Aufnahmen mit rhythmisch gesprochenen Wörtern gehört hatte, am schlechtesten schnitten die Studierenden ab, die die normal gesprochenen Vokabeln zum Üben nutzte.

Welche Melodien Schülerinnen und Schüler besonders beim Lernen unterstützen können, ist leider bislang nicht erforscht. Deshalb sollte vorerst gelten: Jeder Lieblingssong ist einen Versuch wert – einfach den Text gegen die neuen Vokabeln austauschen, losschmettern und das Gehirn beim Lernen beobachten. Das Schöne an der Methode: Sogar unter der Dusche lassen sich damit Vokabeln lernen.

 


Beitragsbild: fotolia #90080029 | Urheber: DeshaCAM

Alexandra Mankarios

Über Alexandra Mankarios

Studierte Sprachlehrforscherin, Journalistin und privat ein echter Sprachenfan: Spricht vier Sprachen fließend und hat zwei unterrichtet. Begeistert sich für Semantik und würde gern einmal ihr eigenes mentales Lexikon aufschlagen.

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