Partnerkorrektur

Partnerkorrektur: Du hilfst mir, ich helfe dir

Mit Beurteilungsbögen einander Feedback zu Texten geben

„Fehler sind wichtige Bestandteile des Lernprozesses. Denn aus Fehlern lernt man!“ Das ist sicherlich richtig, aber nur, wenn man auch weiß, dass man einen Fehler gemacht hat.

Natürlich muss nicht immer jeder Fehler korrigiert werden, aber ein regelmäßiges Feedback ist für die Entwicklung eines jeden Sprachenlernenden unentbehrlich. Keinesfalls darf es beispielsweise dazu kommen, dass ein Schüler oder eine Schülerin erst durch die geschriebene Klausur erfährt welche Fehler er oder sie beispielsweise beim Schreiben einer Summary macht.

„Aber wie soll ich allen gerecht werden? Ich kann doch nicht immer alles lesen.“ Das stimmt! Das muss man aber auch nicht. In meinem Unterricht setze ich beispielsweise regelmäßig Partnerkorrektur ein, um eben dieses Problem anzugehen.

Positive Aspekte der Partnerkorrektur

Wenn sich die Schülerinnen und Schüler gegenseitig Feedback geben, hat das viele Vorteile:

  • Alle Arbeiten werden gewürdigt.
  • Alle Lernenden bekommen Korrekturvorschläge.
  • Man findet Fehler leichter in fremden Texten.
  • Die Korrekturen können direkt zur Überarbeitung des Textes genutzt werden.

Grundsätze der Partnerkorrektur

Das Feedback muss möglichst zeitnah gegeben werden, damit den Jugendlichen ihr Geschriebenes und die Probleme, die sie eventuell dabei hatten, noch präsent sind.

Schülerinnen und Schüler sollten entsprechend ihres Leistungsstandes durch Kriterien zur Korrektur angeleitet werden. Eine allgemeine Aufforderung, den Text des Sitznachbarn zu korrigieren, führt womöglich zu Überforderung und ist zu ungerichtet, um ein konkretes Feedback erwarten zu lassen.

Partnerkorrektur kann lediglich als Ergänzung zum Lehrerfeedback dienen, es jedoch nicht ersetzten!

Gestaltung von Beurteilungsbögen

Um Überforderung auf Seiten der Schülerinnen und Schüler zu vermeiden, arbeite ich gerne mit Beurteilungsbögen. An diesen können sich die Lernenden während der Korrektur „entlang hangeln“.

Ideal finde ich eine Kombination aus sprachlicher und inhaltlicher Korrektur. Nur ein Text, der auf beiden Ebenen überzeugt, kann schließlich in der Klausur zu einer guten Note führen.

Da insbesondere die sprachliche Korrektur vielen Jugendlichen schwer fällt, empfiehlt es sich bei der Einführung von Partnerkorrektur, den Fokus zunächst auf inhaltliche/formale Aspekte zu legen. Mit wachsender Erfahrung können die Lernenden dazu angeleitet werden, sprachliche Aspekte gezielt mit zu überprüfen. Das unterschiedliche Anspruchsniveau der Korrekturaufgaben kann selbstverständlich auch zur Differenzierung dienen.

Je nach Ziel der Lehrkraft (zum Beispiel Umsetzung von Textsortenspezifika, Anwendung von Fachvokabular etc.) und Leistungsstand der Lernenden sollte auch der Beurteilungsbogen gestaltet sein. Jede Variante hat Vor- und Nachteile. So hat ein reiner Ankreuzbogen den Vorteil, dass er zeitsparend auszufüllen ist und somit relativ schnell einen groben Überblick über die Qualität des Geschrieben liefert. Allerdings gibt er keine Auskunft darüber, was zu der positiven/negativen Bewertung geführt hat. Ein Lösungsansatz für dieses Problem besteht darin, eine zusätzliche Begründung von den Jugendlichen zu verlangen. Eine solche Korrektur dauert deutlich länger und setzt voraus, dass die Schülerinnen und Schüler Ideen haben, wie sich etwas verbessern lässt.

Feedbackbogen zum Ankreuzen (Fokus auf formalen und sprachlichen Kriterien)

Feedbackbogen zum Ankreuzen (Fokus auf formalen und sprachlichen Kriterien)

 

Feedbackbogen, der zur Stellungnahme auffordert (Fokus auf formalen Kriterien; Inhalt und Sprache werden in Ansätzen mit überprüft)

Feedbackbogen, der zur Stellungnahme auffordert (Fokus auf formalen Kriterien; Inhalt und Sprache werden in Ansätzen mit überprüft)

 

Unterstreichen als Vorbereitung

Als hilfreich hat es sich in meinen Klassen erwiesen, die Jugendlichen bereits beim Schreiben der Texte bestimmte Elemente unterstreichen zu lassen. Insbesondere bei sprachlichen Aspekten, die ansonsten häufig Schwierigkeiten beim Korrigieren bereiten, bietet sich dieses Vorgehen an. Wenn man beispielsweise möchte, dass die Klasse neue Fachbegriffe oder eine ausgewählte grammatikalische Struktur verwendet, so kann man die Jugendlichen dazu auffordern die gewünschte Struktur beim Schreiben zu unterstreichen – hier hat es sich allerdings als hilfreich erwiesen, eine Mindestanzahl vorzugeben.

Dieses Vorgehen hat zwei entscheidende Vorteile. Zum einen achten die Jugendlichen beim Schreiben deutlich penibler darauf, das geforderte Kriterium umzusetzen. Zum anderen fällt es den Klassenkameraden beim Korrigieren leichter, die relevanten sprachlichen Aspekte zu finden.

Einen Abschluss finden

Den Abschluss einer Korrekturphase gestalte ich gerne im Plenum: entweder, indem ich nach den am häufigsten auftretenden Fehlern frage und diese im Plenum bespreche oder indem ich einige besonders gut gelungene Exemplare vorlesen lasse.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Situationen und Sätze vorstellen zu lassen, bei deren Korrektur sich die Lernenden unsicher waren. Durch die gemeinschaftliche Reflexion dieser Punkte verbessert man nicht nur potenzielle Fehler, sondern schult vor allem auch die Kompetenz der Schülerinnen und Schüler zu korrigieren.

 


Beitragsbild: fotolia: #108068846 | Urheber: Blend Images

Katharina Mack

Über Katharina Mack

Katharina Mack ist Gymnasiallehrerin für Englisch und Sport an einer beruflichen Schule in Obertshausen. Ihr ist es wichtig einen abwechslungsreichen und motivierenden Unterricht zu gestalten. Vom Wortschatz-Blog erhofft sie sich einen regen Ideenaustausch.

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