Salve Alexa!

Salve Alexa!

Sprachassistenten sind längst Teil unseres Alltags geworden. Ob sie auch das Potenzial haben, etwas zum Unterrichtsalltag im Fach Latein beizutragen, habe ich mit meinem Amazon Echo untersucht.

Seit mehr als zwei Jahren habe ich nun schon eine besondere Mitbewohnerin. Ihr Name ist Alexa und sie ist ein intelligenter Lautsprecher. Per Sprachbefehl spielt sie für mich Musik, verrät mir die aktuelle Temperatur oder schaltet meine Schlafzimmerlampe ein. Laut einer aktuellen Studie der Postbank nutzen 31 Prozent der Deutschen einen Sprachassistenten von Amazon, Google oder Apple. Besonders hoch ist die Quote unter jungen Menschen und Familien – hier interagiert fast jeder Zweite regelmäßig mit Alexa und Co. Dafür spricht vor allem die einfache und praktische Verwendung. Der Echo wird zum intelligenten Lautsprecher, indem man über eine App sogenannte Skills hinzufügt. Mit einem entsprechenden Sprachbefehl wird dann der Skill ausgeführt. Das Repertoire ist breit gefächert und reicht von Nachrichten über Spiele bis hin zu den Terminen der Müllabfuhr. Sogar mein zweijähriger Sohn ist schon ein großer Fan unserer Alexa, da sie alle seine Lieblingslieder kennt. Auch er kann sie bereits mit einfachen Sätzen steuern. Da der Echo ein Medium zur sprachlichen Interaktion ist, habe ich mir die Frage gestellt, welche Möglichkeiten er für das Lernen von Sprachen bietet.

Auch Latein-Vokabeln sollten laut gesprochen werden

Auch wenn der Fokus im Lateinunterricht nicht auf dem aktiven Sprechen liegt, so ist es doch wichtig, dass Vokabeln laut gesprochen werden. Denn viele Schülerinnen und Schüler sind auditive Lerner. Über die Sinneswahrnehmung Hören wird die Bedeutung von Vokabeln leichter im Gedächtnis verankert. Doch leider gibt bisher nur wenige Apps, die sich mit der lateinischen Sprache und der Antike allgemein auseinandersetzen.

Der Skill „Latein Übersetzer“

Wie der Name schon andeutet: Man nennt eine deutsche Vokabel oder Phrase und der Skill Latein Übersetzer übersetzt sie ins Lateinische. In vielen Schulbüchern gibt es Quizfragen oder Stilübungen, die diese Richtung des Übersetzens benötigen. Erfragt man einfache Substantive klappt das sehr gut. „Familie“, „Onkel“ und „Auge“ wurden alle anstandslos übersetzt. Auch die Aussprache ist in Ordnung – Alexas Aussprache klingt in jeder Sprache noch etwas mechanisch. Im nächsten Schritt wollte ich Verben und Adjektive erfragen. Dabei stieß der Skill an seine Grenzen. Zum einen stimmte die Aussprache nicht, zum Beispiel wurde dives wie das englische Wort dive ausgesprochen. Zum anderen erhielt ich auf die Frage nach Verben wie „schicken“ oder „laufen“ nicht die lateinische Grundform, so wie die Schülerinnen und Schüler sie lernen, sondern eine Form mit Personalendung.

Mein Fazit: Schülerinnen und Schüler, die einfache Sätze vom Deutschen ins Lateinische übersetzen wollen, können den Skill ausprobieren. In vielen Fällen werden sie aber nicht um den Blick in ein Wörterbuch herumkommen.

Der Skill „Römische Zahlen“

Die Schreibweise von römischen Zahlen ist für Schülerinnen und Schüler gerade am Anfang durchaus eine Herausforderung. Hier ist der der Skill „Römische Zahlen“ durchaus eine Hilfe. Man nennt Alexa eine arabische Zahl und Alexa buchstabiert sie in der römischen Schreibweise.

Mein Fazit: Dieser Skill hält, was er verspricht – nicht mehr und nicht weniger.

Das Spiel „Labyrinth des Minotaurus“

Aus dem Bereich Spiele gibt es den Skill Labyrinth des Minotaurus. Die Sage um den Helden Theseus stammt zwar aus der griechischen Mythologie, aber einige Lateinlehrbücher greifen sie auf, um auf die Originallektüre von zum Beispiel von Ovid vorzubereiten. In dem Skill schlüpft man in die Rolle von Theseus und steuert ihn mit Richtungsanweisungen, die man dem Echo nennt, durch das Labyrinth des Minotaurus auf der griechischen Insel Kreta. In den Räumen, die man erreicht, erhält man Informationen zur Mythologie rund um Kreta. Doch hat man den Minotaurus erreicht, ist das Spiel auch schon vorbei. Ich finde es schade, dass Ariadne und ihr Faden, die einen entscheidenden Beitrag zum Erfolg von Theseus beigetragen haben, gar nicht erwähnt werden.

Mein Fazit: Leider ist die Spielerfahrung nur von kurzer Dauer und die Darstellung des Mythos viel zu oberflächlich. Aber das Spiel hat das Potenzial, bei Schülerinnen und Schülern die Lust zum Recherchieren zu wecken.

Alexa zum Lateinlernen – mein Gesamtfazit

Was ist also mein Gesamtfazit? Leider bietet der Amazon Echo zurzeit noch keinen hilfreichen und ausgereiften Skill zum aktiven Lernen lateinischer Vokabeln. Es gibt nette Gimmicks zum Zeitvertreib, aber leider nicht mehr. Doch was nicht ist, kann ja noch werden.

 


Beitragsbild: Fabian Hurnaus, Pexels

Kathrin Grüling

Über Kathrin Grüling

Kathrin Grüling ist ein echtes Nordlicht und unterrichtet seit 2011 Englisch und Latein im schönen Buchholz in der Nordheide. Für ihre Schülerinnen und Schüler erstellt sie gerne eigene Lektüren und möchte nun ihre Ideen für einen innovativen Lateinunterricht teilen.

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