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Mündlichkeit fördern im Distanz-Fremdsprachenunterricht

Wie alles begann …

März 2020: Meinen Französischkurs hatte ich bereits in der Einführungsphase (Klasse 10) im Schuljahr 2019/2020 durch den Distanzunterricht manövrieren müssen. Dies war der erste Lockdown und an meiner Schule gab es noch keine Möglichkeit,  datenschutzkonforme Videokonferenzen durchzuführen. Mit Arbeitsblättern, Telefongesprächen und E-Mails versuchte ich, den Kontakt zu den SchülerInnen aufrechtzuerhalten und jedem Einzelnen – sofern es mir zeitlich möglich war – eine angemessene Rückmeldung zu geben. Immer wieder stellte ich mir damals die Frage, wie ich es schaffen könnte, die Lerngruppe trotz der Umstände nachhaltig mit neuem Wortschatz zu versorgen. Das war keine leichte Aufgabe, denn ich konnte nie sicher sein, wie sich der Wortschatz der einzelnen Lernenden erweitern würde. Eine aussagekräftige Überprüfung war ja leider nicht möglich.

Unter anderem hatte ich versucht, die Wortschatzerweiterung anzustoßen mit Aufgabenstellungen, die sich auf Wortfamilien (la politique – politique (adj.)), Lückentexte (Lisez les phrases ci-dessous et complétez-les par des mots ou expressions du texte.) oder auf das anschließende Umschreiben von Wörtern bezogen. Zurück im Präsenzunterricht war meine Hoffnung groß, dass es so nun bleiben wird und die Zeiten des Distanzunterrichts vorbei sind.

Auf ein Neues!

Dezember 2020: Die Nachricht, dass es in den zweiten Lockdown geht, hat keinen so richtig überrascht. Also, mich zumindest nicht … Inzwischen war mein Französischkurs in der Qualifikationsphase 1 (Q1) und ich wusste, mit welchen unterschiedlichen Distanzlernern ich zu tun habe. Durch die neue Kommunikationsmöglichkeit, das IServ-Videokonferenzmodul, standen mir nun ganz andere Unterrichtsansätze offen. Ich konnte (digitalen) Unterricht machen und alle meine SchülerInnen sehen und sprechen hören. So zumindest in der Theorie! Serverprobleme und technische Schwierigkeiten seitens einzelner SchülerInnen durchkreuzten zunächst meine Pläne.

Darauf eingestellt, plante ich die Wochen bis zur nächsten Leistungsüberprüfung, die in Form einer mündlichen Prüfung stattfand. Der Tatsache geschuldet, dass diese in der Einführungsphase ausgefallen war, stand die Lerngruppe nun vor einer neuen Herausforderung, die ihr durchaus Magengrummeln bescherte. Ich plante und hoffte mit meinen Aufgaben, den SchülerInnen dennoch Zuversicht zu vermitteln.

Thematisch hatten wir bereits die Seconde Guerre Mondiale abgeschlossen und befanden uns nun in der Relation franco-allemande ab 1945. Im Präsenzunterricht vorab hatten wir bereits einen thematischen Wortschatz erarbeitet (Wordclouds sowie Themenblätter, Wortschatzdossiers) und diverse Vokabellisten ausgeteilt, die es nun galt zu lernen. Die Überprüfung fand dann en passant in den Videokonferenzen statt. So habe ich beispielsweise kurze Sprechanlässe geschaffen, in dem ich Fotos wichtiger Persönlichkeiten (beispielsweise Konrad Adenauer, Charles de Gaulle etc.) gezeigt habe und die Lerngruppe mithilfe der gelernten Vokabeln erklären sollten, welche Rolle dieses couple im Kontext der Deutsch-Französischen Freundschaft spielte. Ich erhoffte mir so eine aktive Festigung des Wortschatzes. Denn sind wir mal ehrlich: Trotz Videomodul über IServ blieb es oft eine passive Wortschatzerweiterung, die eher schwerfällig in einer aktiven Auseinandersetzung mündete. Viele der SchülerInnen waren zurückhaltender als im Präsenzunterricht.

Vocaroo zur Förderung der Mündlichkeit

Ich bot meinem Kurs im Laufe der kommenden Zeit immer wieder die Möglichkeit an, mir Audiodateien zukommen zu lassen. Das Angebot wurde gerne angenommen, sodass ich anschließend mit der Auswertung diverser Resümees, Meinungsäußerungen, Bildbeschreibungen usw. beschäftigt war. Die SchülerInnen reichten mir ihre Dateien über Vocaroo ein – meiner Meinung nach ein sinnvolles Tool, um unkompliziert Audiodateien zu versenden. An dieser Stelle sei aber hinzuzufügen, dass die Lernenden bei der Verwendung den eigenen (und auch andere) Klarnamen vermeiden sollten, um dem Datenschutz gerecht zu werden. Meine an festen Kriterien orientierte Rückmeldung erhielten sie ebenfalls per Vocaroo. Ich erhoffte mir so, dass der Kurs weiterhin für die französische Sprache sensibilisiert bleibt.

Dann war der Tag der mündlichen Prüfung da  – und kurz gesagt: Meine SchülerInnen haben diese für die Umstände sehr gut gemeistert.

Ich könnte jetzt noch vieles mehr zum Distanzunterricht schreiben, allerdings wäre das Fazit stets gleich. Ziemlich schnell wurde mir nämlich als Fremdsprachenlehrerin klar, dass das Lehren einer Sprache über digitale Medien nicht vergleichbar mit dem realen Unterricht ist. Deshalb habe ich mich entschieden, nicht mehr permanent dem Einhalten des Kernlehrplans hinterher zu hecheln. Stattdessen habe ich versucht, das Interesse der SchülerInnen an der französischen Sprache aufrechtzuerhalten. Ob ich das geschafft habe? On verra.

 


Beitragsbild: Luisella Planeta Leoni auf Pixabay

Bekleidungswortschatz und Adjektive digital lernen – einfach realisiert

Wie schafft man es, Vokabelübungen mit Grammatik und digitalem Lernen zu verknüpfen? Vor dieser Herausforderung stehen Lehrerinnen und Lehrer seit nunmehr zwölf Monaten und alle versuchen ihr Bestes. Hier möchte ich heute ein Beispiel aus meinem Englischunterricht beschreiben, dass relativ einfach zu realisieren ist. Hauptthemen der Unterrichtseinheit waren die Steigerung von Adjektiven und die Wiederholung von Vokabular zum Thema „Kleidung“.

Schritt 1: Grammatikeinführung mit Videos

Für die Grammatikeinführung und Übungen habe ich Lehrvideos (z.B. von Sofatutor – derzeit kostenfrei für Lehrkräfte, Links zu Videos und Übungsaufgaben können verschickt werden) und diversen Übungen aus Schulbuch und weiterem online verfügbarem Unterrichtsmaterial (z.B. diesem hier) genutzt.

Schritt 2: Vokabeln wiederholen

Die Vokabeln habe ich mithilfe des Lehrwerks und Onlineressourcen wiederholt. Hier habe ich passendes Material von liveworksheets.com eingesetzt. Auf der Website finden sich nicht nur schriftliche Übungen, sondern auch Hörverstehensaufgaben, die selbstständig überprüft werden können.

Schritt 3: Kleidung fotografieren

Ich habe drei meiner Kleidungsstücke fotografiert und folgendes als Beispiel gegeben:

Example

I love hoodies. Here are three of my hoodies. They are all blue. I very much love the colour blue.

The hoodie on the right is a few months OLD.

The hoodie on the left is OLDER. Two years old, I think.

The hoodie in the middle is THE OLDEST one. My wife gave it to me as a birthday present some years ago. So it is special to me.

Drei blaue Hoodies

Meine drei blauen Hoodies dienten als Beispiel für diese Aufgabe.

Dann folgte die erste Aufgabe: Adjektive steigern.

Folgende Adjektive gab ich den Schülerinnen und Schülern, um sie erst einmal zu steigern:

wide (weit), tight (eng), long, short, comfortable, nice, colourful (bunt), beautiful, boring, expensive, cheap, warm, well-fitting (better-fitting, the best-fitting = von der Größe her passend. Auch wenn dies ein Adverb ist, so passt es doch zur Aufgabe)

Die Schülerinnen und Schüler sollten die Steigerungen nun zunächst schreiben. Dann wurden sie auf Richtigkeit überprüft: Wer das Ergebnis bei mir eingereicht hatte, bekam dafür ein Blatt mit den Lösungen.

Nun sollten die Kinder sich selbst auf die Suche nach Kleidungsstücken machen, die sie miteinander vergleichen könnten. Hierin besteht der Anknüpfungspunkt an Schülerinteressen: Ich darf etwas von mir bzw. meinem Kleiderschrank und somit von meinem Leben erzählen. Viele meiner Schülerinnen und Schüler haben die Aufgabe mit großer Ernsthaftigkeit und Interesse bearbeitet. Ich weiß nun, welches Kleid zu welchem Geburtstag welcher Lieblingstante getragen wurde. Einige schrieben tatsächlich kleine „Romane“, da sie intrinsisch motiviert waren – zugegeben: natürlich nicht alle.

Die Aufgabe dazu:

TASK

Take five different pieces of clothes and five different adjectives and compare them.

For example:

jeans – tight, shoes – comfortable, T-shirts – colourful, jumpers – warm, jackets – expensive

    1. Take pictures (three pairs of jeans, three pullovers, …)
    2. Write your text.
    3. Practice reading it.

Hier ist ein Ansatzpunkt zum digitalen Lernen. An unserer Schule werden die Kinder ab Klasse 5 an PCs ausgebildet. Dazu gehört auch das Einfügen von Bildern in Texte. Diese Fähigkeit sollten sie nun hier einbringen und umsetzen. Der Vorteil für mich ist dabei, dass Textdateien, bei denen Bilder klein eingefügt werden, insgesamt weniger Volumen haben (bei Verkleinerung) als einzelne Bilder, so dass der Upload oder das Zusenden als E-Mail-Anhang weniger problematisch ist.

Schritt 4: Audioaufnahmen eigener Texte

Auf jedem Smartphone gibt es ein Diktiergerät oder man kann sich kostenfreie Apps wie z.B. „mp3recorder“ herunterladen.

Die Schülerinnen und Schüler hatten nun die Aufgabe, ihre Texte einzusprechen, aufzunehmen und mir die Audiodatei zuzusenden.

Auch hier ist wieder die Verknüpfung digitaler Fähigkeiten mit Sprachlernen interessant. Aktiv umgesetzte Grammatik wird nun in möglichst natürlichen Sprachoutput umgewandelt. Dabei üben sie lautes Sprechen und können sich danach auch hören. Um den Lernenden einen Anreiz zu bieten, habe ich natürlich auch meinen Text aufgenommen und zur Verfügung gestellt. Frei nach „demonstration is better than explanation“.

Alle Schülerinnen und Schüler mussten mir Texte mit Bildern UND die Audiodateien zusenden. Insgesamt waren die Ergebnisse sehr ansprechend und die Rückmeldungen waren sehr positiv. Sicher gibt es für diese Kombination aus Digitalem und Sprachlernen noch viele weitere Möglichkeiten der Anwendung.

Viel Freude beim Ausprobieren!

Interactive teaching tools: mit Kahoot Vokabeln und Grammatik üben

Bereits in einem vorherigen Artikel habe ich einige Tools vorgestellt, die sich gut für den digitalen Unterricht eignen. In den vergangenen Wochen habe ich nun auch das Quiz-Tool Kahoot getestet und möchte es hier heute vorstellen.

Wie viele Programme, die auf dem Markt sind, gibt es von Kahoot eine kostenlose Basisversion, die den Lehrenden zwei Varianten anbietet: 1. Multiple Choice Questions und 2. True-False Questions. Die Grundidee besteht darin, dass alle Schülerinnen und Schüler zugleich digital auf Fragen antworten können. Die Ergebnisse werden in Echtzeit angezeigt. Weiterlesen

Wortschatztraining einfach digital mit Plickers

Wie man ganz einfach digitales Wortschatztraining im Klassenraum umsetzt und dabei seine gesamte Klasse aktiviert, möchte ich anhand des Classroom Response Systems Plickers zeigen.

Noch während ich die zu lernenden Vokabeln an die Tafel schreibe, geht ein Raunen durch die Klasse. „Wir schreiben bestimmt einen Test!“. Zum Ärger vieler Schülerinnen und Schüler ist die Überprüfung von Vokabeln ein essenzieller Teil jeder Fremdsprache. Nur so erhalten sowohl Lehrkräfte als auch die Lernenden eine Rückmeldung zu ihrem Lernstand.  Trotzdem muss es nicht immer der gute, alte Vokabeltest sein. Eine schöne Alternative ist das Classroom Response System Plickers. Weiterlesen

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Flipped Classroom: umgedrehter Unterricht

Digitale Bildung braucht mehr als nur eine interaktive Tafel oder ein Smartphone im Unterricht. Es müssen passende Unterrichtsmethoden her, damit digitale Medien sinnvoll im Unterricht genutzt werden können. Eine davon könnte aus meiner Sicht die Flipped-Classroom-Methode sein. Weiterlesen

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What’s up Alexa?

Der Amazon Echo ist aus meinem persönlichen Alltag nicht mehr wegzudenken. Damit er auch für Schülerinnen und Schüler zu einer Bereicherung im Lernalltag wird, möchte ich fünf Skills vorstellen, mit denen man das Lernen von englischen Vokabeln unterstützen kann. Weiterlesen

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Salve Alexa!

Sprachassistenten sind längst Teil unseres Alltags geworden. Ob sie auch das Potenzial haben, etwas zum Unterrichtsalltag im Fach Latein beizutragen, habe ich mit meinem Amazon Echo untersucht. Weiterlesen

Wortschatzarbeit am Smartboard einfach interaktiv gestalten

Vokabeln üben mit dem Activity Builder

In den ersten beiden Artikeln dieser Serie habe ich beschrieben, welche grundsätzlichen Vorteile die Wortschatzarbeit am interaktiven Whiteboard bietet und wie man erste einfache Wort-Bild-Kombinationen erstellt. Heute zeige ich, wie man Wort-Bild-Kombinationen interaktiv gestalten kann. Erst hier wird der Mehrwert des interaktiven Whiteboards im Vergleich zum Beispiel zu Bildfolien wirklich deutlich. Weiterlesen

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Am Smartboard Wort und Bild kombinieren

Teil 1 der Serie “Vokabeln am Smartboard”

Alle Blogbeiträge zur Nutzung von interaktiven Whiteboards finden Sie hier. Zur Einführung zu dieser Serie bitte diesem Link folgen.

Oft reicht es bei Vokabeleinführungen aus, ein Bild oder eine Szene mit der Vokabel zu zeigen. In diesem Artikel möchte ich Ihnen vorstellen, wie Sie das Smartboard hierfür einfach, schnell und vor allem effektiv einsetzen können – auch ohne große Computerkenntnisse. In nur vier Schritten können Sie eine Vokabeleinführung für die interaktive Tafel gestalten. In dieser Übung geht es um Wortschatz für Wegbeschreibungen. Weiterlesen

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Neue Serie: Vokabeln am Smartboard

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – Whiteboard-Serie auf wortschatz-blog.de

Alle Blogbeiträge zur Nutzung von interaktiven Whiteboards finden Sie hier.

Bei Diskussionen über das Thema „Einsatz des interaktiven Whiteboards im Unterricht“ hört man regelmäßig das Argument „Das ist alles viel zu zeitaufwändig und kompliziert!“

Ich bin durchaus kein Workaholic, so dass ich Ihnen hier Ideen für das interaktive Whiteboard – in meinem Fall: Smartboard – präsentiere, die a) nicht zu kompliziert sind und b) dann nicht zu zweitaufwändig sind, wenn man sie sinnvoll einsetzt. Weiterlesen