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Inklusion: Wie ein elektronisches Wörterbuch bei Sehbehinderung hilft

Eigentlich wollte ich einen Blogbeitrag zu einem ganz anderen Thema schreiben. Aber dann wurde ich unerwartet mit diesem Thema kurz vor den Herbstferien in einer 11. Klasse berufliches Gymnasium konfrontiert 😊!

Ex-word als Nachteilsausgleich

Nachteilsausgleiche – am häufigsten bei Lese-Rechtschreib-Schwäche – sind bei uns an der Schule gerade ein brandheißes Thema. Die Schule ist verpflichtet, auf die Schülerinnen und Schüler zuzugehen und herauszufinden, ob ihnen ein Nachteilsausgleich zusteht. Dann muss dieser schriftlich festgehalten werden und allen Fachlehrkräften vorgelegt und von ihnen unterschrieben werden. Nachteilsausgleiche können – wie wir alle wissen – sehr vielfältig sein, von „mehr Zeit“ über „auf einem Laptop schreiben“ bis hin zu „Pausen machen dürfen in den Klausuren/Prüfungen“.

In der besagten 11. Klasse habe ich eine Schülerin mit einer Sehbehinderung von ca. 50%. Dies fällt im normalen Unterricht kaum auf. Eine normale Brille ist für mich noch kein Indiz für so eine starke Beeinträchtigung. Sie liest nur immer extrem dicht am Text – das machen aber andere Schülerinnen und Schüler aus Faulheit auch ab und zu.

Das Mädchen kam also kurz vor den Herbstferien – und kurz vor der ersten Klassenarbeit mit ihrem Nachteilsausgleichsschreiben zu mir. Darin stand, dass ich ihr die Arbeiten vergrößert zur Verfügung stellen muss und sie ein elektronisches Wörterbuch – Modell Ex-word EW-G7000E – benutzen darf. Zudem hat sie auch noch 15 Minuten pro 90 Minuten mehr Zeit, da sie länger fürs Lesen braucht.

Ich muss gestehen, ich habe in dem Moment den Nachteilsausgleich schon gefeiert – später mehr dazu, warum!

Die Vorteile des Ex-word für die Schülerin

Die Schülerin darf das elektronische Wörterbuch im laufenden Unterricht, in den Klassenarbeiten und auch später im Abitur nutzen. Durch das größere Display kommt sie damit viel besser zurecht, als sie es zum Beispiel mit dem (kleineren) Modell EW-G560C käme. Sie stellt den Kontrast der Helligkeit auf die höchste Stufe 5/5 ein, das hilft ihr auch nochmal sehr.

In den ersten Wochen an unserer (für sie neuen) Schule hatte sie das Gerät nicht dabei. Nun mit dem Gerät im laufenden Unterricht bemerke ich eine deutliche Steigerung bei ihrer Teilnahme am Unterricht. Dadurch, dass sie sehr effizient ist in der Handhabung des Gerätes, kann sie sich schnell unbekanntes Vokabular aneignen. Sie legt auch immer gleich neue Favoritenlisten an, um das Vokabular später nochmal zu üben. Dies trägt dazu bei, dass sie sich deutlich besser beteiligt und sicher auch eine bessere mündlichen Note erhält.

Elektronische Wörterbücher bei uns an der Schule

Dieses Modell des Ex-word ist Eigentum der Schülerin – sie hat es schon an ihrer vorherigen Schule benutzen dürfen.

An meiner Schule wird das „kleinere“ Ex-word-Modell in einigen, aber nicht in allen Bereichen eingesetzt. Die Schule besitzt um die 25 Geräte. Diese teile ich mir eigentlich nur mit einem Kollegen und nehme sie regelmäßig mit in meinen Unterricht. Dadurch, dass dies aber nicht alle Englischlehrkräfte tun – wir konnten noch nicht alle überzeugen – werden sie in den Abschlussprüfungen (Abitur, Fachhochschulreife) nicht eingesetzt. Ich versuche eine gute Mischung aus „old school“ Wörterbuch und Ex-word zu machen, damit die Jugendlichen den Umgang mit einem Papierwörterbuch nicht verlernen. Sie arbeiten aber deutlich lieber mit den Ex-words.

Diese Schülerin darf jedoch das Ex-word in ihrer Abiturprüfung aufgrund des Nachteilsausgleichs benutzen. Ich finde das großartig und habe es regelrecht gefeiert, dass dieser Schülerin damit geholfen werden kann. Außerdem ist es ein weiterer Beweis, welchen Vorteil die Ex-word-Geräte gegenüber dem herkömmlichen Wörterbuch haben – das könnte man schließlich gar nicht einfach in einer vergrößerten Variante bestellen und verwenden!

Der Punkt ging definitiv an meinen Kollegen und mich als Verfechter des Ex-words bei uns an der Schule. Wir haben beschlossen, das Thema auf der nächsten Fachsitzung Englisch noch mal auf die Agenda zu setzten. Ich wollte Euch einfach an meinem inneren Triumph teilhaben lassen und freue mich auf Eure Erfahrungen mit Inklusionsschülerinnen und -schülern im Englischunterricht.

 


Beitragsbild: Eva Bär