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Context Clues und Kurzfilmdrehs

Eine amerikanische Englischlehrerin teilt ihre besten Methoden für die Wortschatzarbeit

Wir alle erinnern uns noch an den Film „Dangerous Minds“, der 1995 in die deutschen Kinos kam, oder? Ich war wahrscheinlich 13 Jahr alt, als ich ihn zum ersten Mal sah, und ich war fasziniert: Michelle Pfeiffer spielt in Dangerous Minds eine Lehrerin, die in einem rauen Klima von Gangs und Kriminalität an einer amerikanischen High School mit Lyrik, Karate, Schokoriegeln und viel Menschlichkeit ihren Schüler*innen hilft, wieder einen hoffnungsvollen Weg ins Leben zu finden.

2015, 20 Jahre später, traf ich Nancy Barile, Englischlehrerin an der Revere High School in der Nähe von Boston, deren Geschichte den Geschehnissen in „Dangerous Minds“ verblüffend ähnelt. Weiterlesen

The Truth about Immigration?

Die TV-Doku wirkte zunächst ausgewogen. Aber die Wortwahl zeigte: Sie ist vor allem geeignet, um zu zeigen, wie man politische Agenda des Filmemachers erkennt.

2015 recherchierte ich für die Arbeit mit einem Oberstufenkurs Dokumentationen zum Thema “Immigration”. Die Quelle sollte vertrauenswürdig und englischsprachig sein. Ein einstündiger Beitrag der BBC, der weltweit größten öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt, erschien mir passend. Stutzig machte mich allerdings der Titel der Dokumentation: “The Truth about Immigration”. Bei der Behauptung “The Truth about …” schrillen wohl bei vielen die Alarmglocken. Wer maßt es sich schon an, die (eine) Wahrheit über ein Thema darlegen zu können?

Scheinbar ausgewogenes Pro und Kontra

Ich schaute die Dokumentation an und bekam im Intro den Eindruck, es ginge darum, Immigration sowohl als Herausforderung als auch als Chance zu betrachten und von beiden Seiten gleichermaßen zu beleuchten. Das sollte wohl auch den Ausdruck “Truth” rechtfertigen.

Beim Zuhören sammelte ich die benannten Chancen und Herausforderungen von Immigration und formulierte das Zusammensuchen von Argumenten für beide Richtungen als Aufgabe für die Schüler*innen meines Kurses. Tatsächlich: Die genannten Chancen und Herausforderungen schienen zahlenmäßig gleichmäßig verteilt. Als Chance wurde insbesondere genannt, dass die Wirtschaft von Arbeitskräften aus dem Ausland profitierte und vor allem Arbeiten vergeben werden konnten, die britische Arbeitnehmer*innen ablehnten. Als Herausforderung wurde benannt, dass unterschiedliche Kulturen aufeinandertrafen und die Veränderungen im Land schnell vonstatten gingen. Auf der Inhaltsebene konnte man von einer in etwa ausgewogenen Dokumentation ausgehen.

Die populistische Wortwahl verrät die Haltung des Filmemachers

Dennoch hatte ich ein skeptisches Gefühl der Dokumentation gegenüber, konnte aber damals nicht genau benennen, woher es kam. Ein Jahr später schaute ich die Dokumentation erneut an: Welche Worte werden hier eigentlich benutzt, um die oben beschriebenen Inhalte zu vermitteln? Ich schrieb auffällige Schlagworte auf: Anxiety, invasion, panics, mass immigration, antisocial behaviour, rubbish, being taken over, culture clash, demonization, wave of immigration, annual inflow of some 50,000 dependents, a nation heaping up its own funeral pyre, political explosion, swamped by people of a different culture, level of migration has been too high, segregation, ghettoization, multitudes of people, tide of people, crowded island, overcrowded, full to bursting, the city has absorbed immigrants for centuries, benefit takers, waves of people, competitors for new jobs, public anxiety, wishful thinking, miscalculation, welcoming the East, numbers mounted, completely catastrophic, (they thought) their job was at risk, (they thought) wages were undercut, inflation, fear of racism, immigration tinderbox, irreversible, absorbing immigrants …

Dies sind nur einige der Begriffe, die zeigen, dass die verwendete Rhetorik der Wortwahl von Populisten entspricht. Angstmache und „Katastrophisierung“ sind führende Motive. Selbst in positiven Aussagen werden nur negativ konnotierte Begriffe verwendet: “We would be shooting ourselves in the foot, if we restricted one of the main sources of growth which is to allow migrants in who are innovative and who bring skills we wouldn’t otherwise have got.”

Im ersten Jahr hatte ich es unterlassen, die Wortebene mit den Schüler*innen zu untersuchen und zu zeigen: Auch wenn beim Inhalt Ausgewogenheit suggeriert wird, sind die Begriffe doch so gewählt, dass sie bei den Zuschauer*innen nahezu ausschließlich negative Gefühle zum Thema Immigration wecken. Menschen, die einwandern, werden in fast allen Formulierungen entmenschlicht und als Nummern, Wellen, Feuer- und Explosionsherde, Invasoren, Massen, Flüsse, Sümpfe und Fluten beschrieben – kurzum: Naturkatastrophen, die es zu verhindern oder höchstens aus Vernunftgründen zu tolerieren gilt.

Ausgrenzung und Angstmacherei in Wort, Bild und Ton

Wenn die Schüler*innen diese entmenschlichende Rhetorik erkennen, können sie sie auch in Videos, die ihnen heute in ihren Social Media-Kanälen zugesandt werden, bemerken und reflektieren. Ergänzend können sie auch die nichtverbalen Elemente der audiovisuellen Quelle untersuchen:

  • Welche Wirkung haben die gezeigten Bilder?
  • Welche Menschen wurden ausgewählt und wer kommt nicht zu Wort?
  • Welche Themen werden ausgeklammert?
  • Gibt es auch Bilder, die Personen mit und ohne Migrationshintergrund gemeinsam in positiven Kontexten zeigen?
  • Gibt es Bilder von Migrant*innen, die an Universitäten, in Krankenhäusern, in Firmen und Bibliotheken arbeiten?
  • Wie wird Musik genutzt, um eine apokalyptische Stimmung hervorzurufen und das Adrenalin des Zuschauers auf Höchststand zu halten?
  • Was zeigt es uns, dass die wenigen Momente, die mit entspannter, leichter Musik unterlegt sind, die “urbritischen” Veranstaltungen mit Zuchtpferden und -hunden sind, bei denen kaum Bevölkerungsgruppen unterschiedlicher kultureller oder finanzieller Herkunft beteiligt sind?

In einem neuen Unterrichtsansatz wird die Dokumentation auf diese Gesichtspunkte hin untersucht: Argumente, Bildwahl, Menschen, die zu Wort kommen, Musikunterlegung und vor allem Wortwahl. Das Thema Immigration verdient, dass Schüler*innen lernen, genau hinzuschauen und Quellen kritisch zu hinterfragen. Wer ist der Autor, Nick Robinson? Wo ist sein politisches Zuhause? Und wie konnte ein Fernsehbeitrag wie “The Truth About Immigration” (2014) ein politisches Klima mitbeeinflussen, in dem 2016 der Brexit möglich wurde?

Einstieg: eine Dokumentation über „Immigration“ planen

Als Einstieg sind wir die Frage angegangen, wie eine Dokumentation gestaltet werden kann, die sich mit allen Aspekten des multikulturellen Zusammenlebens beschäftigt. Wenn die Schüler*innen eine Dokumentation mit dem Titel „The Truth about Immigration“ filmen würden:

  • Wie würde diese aussehen?
  • Wen würden sie befragen, wenn sie die Regisseur*innen wären?
  • An welche Drehorte würden sie fahren?
  • Welche Bilder würden sie zeigen wollen?
  • Mit welcher Musik diese unterlegen?
  • Und vor allem: Welche Begriffe würden sie verwenden, um über Menschen zu sprechen, die aus einem anderen Land gekommen sind und nun in der neuen Heimat ein Leben aufbauen?
  • Welche Begriffe und Vergleiche würden sie auf jeden Fall vermeiden wollen?

Hierzu können alle Schüler*innen alle Fragen beantworten oder sich jeweils auf eine Frage konzentrieren. Gemeinsam sammeln die Jugendlichen an Dokumentenkamera oder Whiteboard die Ideen für ihre eigene Dokumentation. So entsteht vor dem Anschauen ein Bild, wie eine Dokumentation aussehen könnte. Die Fragen dieser ersten Aufgabe können auch während des Anschauens als Beobachtungsfragen dienen.

Nach dem Schauen besprechen die Schüler*innen ihre eigene Vorstellung einer ausgewogenen Dokumentation und die Aspekte der BBC-Dokumentation und stellen (hoffentlich) fest: die Kraft von Worten mit starken Konnotationen ist nicht zu unterschätzen.

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Apps im Französischunterricht: Kahoot! und Stop Motion

Spricht man über Digitalisierung und Technologisierung in der Schule, wird schnell die gesellschaftliche Ambivalenz gegenüber den neuen Medien deutlich – und oftmals auch die Unwissenheit über das mögliche Potenzial der Digitalisierung. Ich stehe der digitalen Entwicklung weitgehend positiv gegenüber und versuche, ihren motivierenden Aspekt sinnstiftend im Schulalltag aufzugreifen. Dies bedeutet allerdings nicht, dass ich die Vorteile des traditionell analogen Unterrichtens außer Acht lasse, keineswegs! Allerdings kommen wir Lehrkräfte im Zuge des Digitalisierungsprozesses nicht umhin, uns intensiver mit den medialen Einsatzmöglichkeiten auseinanderzusetzen. Weiterlesen

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L.A. Crash – Filmanalyse mal anders

Hier gestalten die Schülerinnen und Schüler den Unterricht

Filmanalyse ist einer der Inhalte, die immer im Lehrplan Englisch auf fortgeschrittenem Niveau auftauchen. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, dies im Unterricht umzusetzen. Ich zeige euch heute mal, wie ich das mit einer 12. Klasse Fachhochschulreifeniveau gemacht habe. Weiterlesen

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Wortschatz unterrichten mit Youtube

Eine Unterrichtseinheit am interaktiven Whiteboard zum Thema „Kleidung“

Sieht man sich an, was die Lernpsychologie über das Erlernen und Abspeichern von Informationen zu sagen hat, so stößt man auf einige Tatsachen, die erfolgreiches Lernen unterstützen.

Nur einige, für die nachfolgende Unterrichtseinheit relevante, seien hier genannt: Weiterlesen

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Sprachen lernen mit Filmen und Serien

Hörverstehen mit Untertiteln verbessen

Video-Streaming wird immer beliebter. Eine aktuelle Studie des Digitalverbands Bitkom meldet, dass die orts- und zeitunabhängigen Video-Angebote zunehmend das klassische Fernsehen verdrängen. Besonders beliebt sind Streaming-Dienste bei jüngeren Zuschauern: 63 Prozent der 14- bis 29-Jährigen gaben laut Bitkom an, dass ihr Fernsehkonsum deutlich zurückgegangen ist, seitdem sie streamen.

Zu den Vorteilen der Dienste gehört auch, dass Nutzer selbst entscheiden können, ob sie Videos in der Originalsprache oder in deutscher Übersetzung sehen möchten. Auch Untertitel lassen sich auf Knopfdruck in verschiedenen Sprachen zuschalten. Und genau hier liegt die Chance, bei einem gemütlichen Videoabend ganz nebenbei auch noch das Hörverstehen in der Fremdsprache zu verbessern. Weiterlesen