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Der Film „In the Heights“: Einstieg in die Themen Immigration und American Dream

Ich lehne mich weit aus dem Fenster: Was, wenn Lin-Manuel Miranda der moderne Shakespeare ist, nur besser? Sein Musical „Hamilton“ über die Zeit der amerikanischen Gründerväter war der Broadway-Erfolg der letzten Jahre, sein Soundtrack zu Disney’s „Moana“ (deutscher Titel: „Vaiana“) heiter, clever und eingängig. Und nun erobert die Filmadaption seines Musicals „In the Heights“ die Kinos (es ist in Deutschland, aktuell nur auf Umwegen, auch online verfügbar). Es basiert auf dem Roman von Quiara Alegria Hudes und – ich lehne mich noch weiter aus dem Fenster – wird bei den Oscar Academy-Awards großzügig bedacht werden. Da wird das Unmögliche möglich gemacht: Ein Film voller Tiefe und guter Laune, musikalischem und choreografischem Genie, eine einmalige Verwebung von lateinamerikanischen Wurzeln und US-amerikanischer Umgebung. Unterhaltung und Tiefgang – das ganze Paket (auch wenn anzumerken ist, dass der Film kritisiert wurde, da die Hauptdarsteller:innen sehr helle Haut haben und damit lateinamerikanische Immigrant:innen mit dunklerer Haut ausblenden).

 

Für uns als Lehrer:innen ist das passend: ein relevanter Stoff, der so verpackt ist, dass die Schüler:innen ihn auch privat gerne sehen möchten, zusammen mit den sozialen Schwerpunktthemen der gymnasialen Oberstufe: Immigration, Generation Clash, Culture Clash, Heranwachsen, Träume und Realitäten, Ansprüche und Selbstfindung, der lateinamerikanische American Dream. Es ist ein bisschen, als hätten sich Hudes und Miranda das Curriculum der gymnasialen Oberstufe als Kompositionsvorlage genommen. Wer den Film im Unterricht ansehen möchte, sollte eine Version mit englischen Untertiteln verwenden. Die schnellen, schlauen Rap-Passagen rasen sonst an den Schüler:innen vorbei. Wer auf das bewegte Bild verzichten möchte oder muss, setzt den Roman (oder Auszüge daraus) ein – allerdings unterscheiden sich Musical, Buch und Film leicht.

In the Heights: Darum geht es im Film

  • Usnavi ist nicht sicher, ob der New Yorker Stadtteil Washington Heigths seine Heimat ist oder die Dominikanische Republik, in der er seine ersten acht Lebensjahre verbrachte.
  • Nina hat ein Studium in Stanford begonnen, fühlt sich dort allerdings – als einzige Latina – fehlplatziert. Sie wurde des Diebstahls bezichtigt und auf einer offiziellen Veranstaltung für die Kellnerin gehalten. Für sie ist es schwer, Geld ihres Vaters für Studiengebühren anzunehmen, denn sie weiß, er müsste dafür sein Taxiunternehmen verkaufen. Ihr Vater andererseits hofft, dass sie den Traum, den er nicht verwirklichen konnte, weiterführt.
  • Sonny hilft seinem Cousin Usnavi in dessen Bodega (einem kleinen Eckladen, in dem es Lottoscheine, Süßigkeiten und Kaffee zu kaufen gibt). Er wünscht sich eine Zukunft in den USA und eine Aufenthaltserlaubnis und versucht, als DREAMer über das DACA-Programm seinen Weg zu finden.
  • Vanessa träumt davon, Modedesignerin zu werden. Sie sucht nach einer Wohnung, wird aber bei der Bewerbung abgelehnt.
  • Abuela Claudia ist die ehrenamtliche Großmutter des Stadtteils. Sie kam als junge Frau aus Kuba nach New York, arbeitete hart als Reinigungskraft und bot vielen jungen Immigranten ohne Familienanschluss eine herzliche Anlaufstelle.
  • Daniela und Clara führen einen Friseursalon, der soziales Zentrum des Stadtteils ist. Doch die Mieten steigen. Sie müssen einen neuen Salon in einem anderen Stadtteil finden.
  • Ein mehrtägiger Stromausfall wirft die Frage auf, wie die Gemeinschaft mit „powerlessness“ umgeht. Resignation? Kampf? Resilienz?

Viele Themen können in „In the Heights“ nur angeschnitten werden. Das kann man als Nachteil für die Unterrichtsgestaltung bewerten. Vorteilhaft ist allerdings, dass „In the Heights“ Interesse weckt. Der Film oder die Lektüre können deshalb fantastisch als Einstieg in die Themen Immigration oder American Dream genutzt werden. Ebenso können sie das Schuljahr wunderbar abschließen, nachdem bereits alle Klausuren geschrieben sind: eine tolle Belohnung für die harte Arbeit und wunderbare Motivation in der oft so schwer gestaltbaren Prä-Ferienzeit. Gleichzeitig bietet der Film einen tollen Anlass zur Wiederaufnahme der Lehrplanthemen in der Abiturvorbereitung.

Aufgaben zum Film: Rezension, Essay, Adaption

Eine Rezension des Films zu verfassen, in der die Bezüge zu einige zentralen Vokabeln aufgezeigt werden, ist beispielsweise eine spannende Aufgabe. Auch ein argumentativer Essay über die Vor- und Nachteile eines Einsatzes des Films im Unterricht mit einer ähnlichen Auswahl von Schlagwörtern kann sinnvoll sein. Als Kreativaufgabe könnte ein Konzept zu einer Adaption für einen multikulturellen Stadtteil einer (fiktiven) deutschen Stadt entworfen werden oder ein Konzept für eine deutsche Auswanderer-Enklave im Ausland. Schnell werden die Schüler:innen so bemerken, dass zwischen Darstellung von kultureller Identität und Klischees ein schmaler Grat erfühlt werden muss und dass Ton und Multiperspektivität hier ausschlaggebend sind.

Schlagworte für die argumentativen und kreativen Aufgaben

… könnten aus diesem Pool ausgewählt werden:

American Dream, Immigration, Clash of Generations, Undocumented Immigrants, DACA, Dreamer, Melting Pot, Cultural Identity, Discrimination, Resilience, Promised Lands: Ideals and Reality, Power and Politics, The Challenge of Individualism, Work Ethic, Success, Living Together, Multiculturalism, Affirmative Action, Traditions and Values, Social Structures, Ethnic Minorities, Love and Happiness, Initiation, Modern Utopia, Economic Situation, Revolt and Revolution, Social (In)Equality, Gentrification

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