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Latein: Gruppenarbeit mit dem elektronischen Wörterbuch

In der Übersetzungsphase sinnvoll unterstützen

Gruppenarbeit genießt zurecht einen hohen Stellenwert in der Didaktik. Sie fördert die soziale Kompetenz der Schülerinnen und Schüler, die dabei nämlich ihren Lernprozess in Gemeinschaft mit anderen Lernenden selbst gestalten (vgl. „Gruppenunterricht“ S. 139 in: Peterßen – Kleines Methoden-Lexikon, München: Oldenbourg Verlag, 1999.). Wenn ich jedoch an meine eigene Schulzeit zurückdenke, sehe ich meinen Lateinlehrer vor mir, wie er in die Klasse marschiert, sein Buch aufklappt und einen Schüler zum Übersetzen auffordert – und das in jeder Stunde. Er hat es sich leicht gemacht, denn Einzel- oder Partnerarbeitsphasen lassen sich schnell und ohne großen Arbeitsaufwand umsetzen. Die Organisation von Gruppenarbeiten ist deutlich aufwendiger, doch die Anstrengungen lohnen sich. Ich möchte in diesem Text ein paar Anregungen geben, wie eine sinnvolle Gruppenarbeit in Kombination mit dem elektronischen Wörterbuch im Lateinunterricht gelingen kann.

Auf die Zusammensetzung der Gruppe achten

Der erste Schritt ist die Einteilung der Klasse in kleinere Gruppen. Hierbei ist es für den Erfolg der Gruppenarbeit bei einer Übersetzung entscheidend, dass die Gruppen heterogen in Bezug auf die Leistungen zusammengesetzt sind. So können insbesondere schwächere Schülerinnen und Schüler durch das Coaching der übrigen Gruppenmitglieder profitieren. Ich finde es wichtig, dass man als Lehrkraft bei der Aufteilung der Klasse flexibel sein kann. Wie oft hatte ich eine tolle Aufteilung der Klasse peinlich genau an der Tafel stehen, um dann festzustellen, dass mir eine Krankheitswelle einen Strich durch die Rechnung macht. Gerade am Anfang sollte aus meiner Sicht die Lehrkraft bei der Einteilung den Schülerinnen und Schülern noch unter die Arme greifen. Später können die Kinder ihre Gruppen auch selbstständig einteilen.

Aufgabenteilung

Ich bilde gern Gruppen mit vier Schülerinnen und Schülern und weise allen eine Rolle zu.

  • Der Anfang fällt der Gesprächsleitung zu. Ihre Aufgabe ist es, darauf zu achten dass die Aufgaben gerecht verteilt sind und jeder seine Rolle erfüllt. Außerdem sorgt die Gesprächsleitung dafür, dass die Gruppenmitglieder beim Thema bleiben und nicht abschweifen. Dabei hat sie auch die Zeit Blick. Zusätzlich kann sie auch Ergebnisse zusammenfassen, zum Beispiel die Wiederholung jedes übersetzten Satzes. Dies ist natürlich abhängig von der gestellten Aufgabe.
  • Der Vokabelexperte oder die Vokabelexpertin nutzt das digitale Wörterbuch, um die benötigten Vokabeln für die Übersetzung bereitzustellen. Mit der Gruppe wird dann gemeinsam entschieden, welche der angebotenen Übersetzungen die beste für den Text ist. Auch ist es möglich, dass verwechselte Vokabeln noch einmal nachgeschlagen werden und angepasst werden.
  • Die Grammatikexpertin bzw. der Grammatikexperte hat die Möglichkeit, einen Grammatikband zu nutzen, um grammatische Formen zu überprüfen. Um Flexibilität in der Gruppeneinteilung zu gewinnen, kann man diese Aufgaben auf zwei Lernende verteilen, indem man zum Beispiel eine Konjugationsexpertin und einen Deklinationsexperten bestimmt. Wichtig ist nur, dass man genügend Material zur Hand hat.
  • Der Übersetzer oder die Übersetzerin konzentriert sich dagegen nur auf die Übersetzung selbst. Wer diese Rolle übernimmt, kann die im Unterricht erlernten Methoden zur Übersetzung von lateinischen Sätzen anwenden, etwa die Pendelmethode oder Markierungsstrategien.
Rollenkarte für den Vokabelexperten bzw. die Vokabelexpertin (Download am Artikelende)

Rollenkarte für den Vokabelexperten bzw. die Vokabelexpertin (Download am Artikelende)

Hat man nun alle Gruppen eingeteilt, kann die Arbeit losgehen. Man sollte am Anfang etwas mehr Zeit einplanen, da sich die Schülerinnen und Schüler erst mal an die neue Form der Arbeit und ihre speziellen Aufgaben gewöhnen müssen. Doch je öfter man diese Methode einsetzt, desto schneller finden sich die Jugendlichen in ihren Gruppen zurecht. Vielleicht entstehen sogar für einige Arbeitsschritte feste Gruppen.

Für Abwechslung sorgen

Wie bei den Methoden selbst, so sollte man auch bei der Verteilung der Expertenrollen für Abwechslung sorgen. So haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, jede Aufgabe kennenzulernen und in allen Bereichen ihre Kompetenzen zu stärken. Auch hier kann man die Methode flexibel an die Lerngruppe und den Text anpassen. Möchte man seine Lerngruppe langsam an die Methode „Gruppenarbeit“ heranführen, empfehlen sich zunächst kürzere Textabschnitte und ein Wechsel der Expertenrollen nach jedem Satz. Wenn die Lerngruppe geübt in Gruppenarbeit ist, kann ein längerer Text in entsprechend viele Abschnitte eingeteilt werden. Ein Wechsel der Aufgaben erfolgt zu jedem Anschnitt. Die Gesprächsleitung würde auch hier ein wachsames Auge darauf werfen, wann es Zeit wird, die Aufgaben neu zu verteilen.

Nach der Gruppenarbeit

Am Ende der Gruppenarbeit sollte eine Besprechung der Ergebnisse im Plenum erfolgen, so dass alle Schülerinnen und Schüler ihre schriftlichen Ergebnisse kontrollieren und offene Fragen geklärt werden können. Ein positiver Nebeneffekt der Gruppenarbeit ist, dass alle gestärkt darazs hervorgehen und sich auch trauen, ihre Übersetzung vor der Klasse vorzustellen. Eine inhaltliche Vertiefung rundet die Textarbeit ab.

Und was macht der Lehrer oder die Lehrerin während der Gruppenarbeit?

Es wird Gruppen geben, die Unterstützung brauchen, wenn es an einer Stelle hakt. Und statt Zeitung zu lesen und Kaffee zu trinken, sollten Sie die Zeit nutzen, um sich aus der Ferne Gespräche der Schülerinnen und Schüler anzuhören. Hier können sie als Lehrkraft viel darüber lernen, wie ihre Schülerinnen und Schüler selbstständig mit lateinischen Texten arbeiten. Und so wiederum Anregungen und Ideen für Ihre weitere Unterrichtskonzeption gewinnen.

Download: Word-Vorlage zur Erstellung von Rollenkarten


Beitragsbild: fotolia #56539762 | Urheber: Christian Schwier

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