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Cesare Maccari [Public domain], via Wikimedia Commons

Demonstrativpronomina lernen mit der eigenen App

Das ewige Lied

Jede Lateinlehrerin, jeder Lateinlehrer kennt das: In fast jedem Text kommen Pronomina vor, vorzugsweise Demonstrativpronomina wie is, ea, id oder ille, illa, illud. Dazu noch Formen von hic, haec, hoc oder iste, ista, istud. Was machen unsere Schülerinnen und Schüler? Sie übersetzen alle Formen (wenn es gut läuft) mit „dieser, diese, dieses“. Haben sie aber auch verstanden, dass da ein Unterschied besteht zwischen diese Formen? Eher nicht.

Die Funktion ist die eine Sache, die Form eine andere. Gibt es vielleicht eine andere Möglichkeit, unseren Schülerinnen und Schülern die Deklinationstabellen der Demonstrativpronomina beizubringen außer mit der ewigen „Aufsagerei“ im Kanon? Ich will nicht behaupten, dass Wiederholung keine Wirkung hat und sicherlich gibt es Kolleginnen und Kollegen, die die Methode durch musikalische oder rhythmische Unterstützung deutlich attraktiver machen. „Herr Mess“ hat hier eindrucksvoll dargestellt, wie er mit Hilfe eines Drum-Computers Schülerinnen und Schülern die Deklination des Relativpronomens näherbringen kann. Der Motivationsaspekt ist unbestreitbar. Aber welche anderen motivierenden Methoden lassen sich noch nutzen?

Motivation als Schlüssel

Als Hausaufgabe im Internet surfen, eine eigene App kreieren, auf dem Smartphone Übungen für den Lateinunterricht erledigen … Das wäre für unsere Schülerinnen und Schüler motivierend, oder nicht?!

Das alles lässt sich in relativ wenigen Schritten mit der Webseite learningapps.org bewerkstelligen. Die Seite aus der Schweiz bietet eine Plattform für die Erstellung eigener kleiner Apps, die in erster Linie für den Unterricht gedacht sind. So finden sich hier zahlreiche schon vorgefertigte Beispiele für Apps, die im Lateinunterricht genutzt werden können. Man kann sich kostenlos anmelden und dann gleich loslegen. Ob man die erstellten Apps öffentlich bereitstellen will oder ob sie nur für einen bestimmten Personenkreis sichtbar sein sollen, kann man selbst entscheiden. Es ist durchaus sinnvoll, zuerst einmal mit den Apps zu „spielen“, um ein Gefühl dafür zu bekommen, bevor man sie gleich öffentlich macht. Jede App wird nämlich auch bewertet …

Die Möglichkeiten sind grenzenlos, vor allem für die Wortschatzarbeit. Jedoch lassen sich, wie zum Beispiel diese App zum AcI zeigt, auch sehr attraktive Apps zur Grammatikarbeit erstellen. Der große Vorteil der Seite ist das einfache Verbreiten der Apps. Jedes kleine Programm kann per Link oder auch per QR-Code verschickt werden. Die Schülerinnen und Schüler können die Aufgaben auf dem PC oder am Smartphone bzw. Tablet erledigen, selbstständig kontrollieren und falls gewünscht so oft wiederholen, bis sie die richtige Lösung gefunden haben. Mein Ratschlag ist, zuerst einmal mit den angebotenen Apps zu beginnen und dann selbst kreativ zu werden. Wie man schnell erkennen wird, lassen sich zu allen Arbeitsbereichen des Lateinunterrichts kleine Übungsformen finden, die man zu einer App „umprogrammieren“ kann.

Funktion vor Form – die goldene Regel

Nun aber zurück zu is, ea, id und Konsorten …

Wie lassen sich die kleinen Apps sinnvoll für die Arbeit mit den Demonstrativpronomina nutzen? Um die Funktion der Pronomina hic, ille und iste zu verdeutlichen bzw. die Pronomina voneinander abzugrenzen, ergibt zum Beispiel der Einsatz von Bildern Sinn. Eine sehr gute Visualisierung bietet das Fresko von Maccari, das Cicero in einer Senatssitzung zeigt. Am rechten Rand sitzt gramgebeugt der Aufrührer Catilina, der versuchte, den römischen Staat durch eine Verschwörung zu untergraben. Wie der Screenshot zeigt, sollen die Schülerinnen und Schüler nun den markierten Personen das passende Pronomen zuordnen. Hic für eine Person, die dem Sprecher räumlich nahe ist, ille für eine Person, die weiter entfernt ist und iste für eine Person, die man eher nicht so leiden kann. Man darf natürlich die weiteren Bedeutungen bzw. Funktionen von iste nicht unterschlagen. Die abwertende Bedeutung „dieser da“ ist ja nicht immer passend.

Hic, ille oder iste – das Gemälde hilft bei der Auswahl.

Hic, ille oder iste – das Gemälde hilft bei der Auswahl.

Noch mehr Möglichkeiten bietet LearningApps, wenn man Pronominaformen bestimmen lassen will. Eine schon vorgefertigte Zuordnungsübung findet sich hier. Weitere Übungsformen lassen sich mit einigen wenigen Handgriffen auch selbst gestalten. Nutzen Sie Ihre Kreativität! Die Erstellung der folgenden App hat nicht mehr als fünfzehn Minuten gedauert.

Mit ein paar Klicks zur eigenen LearningApp

Mit ein paar Klicks zur eigenen LearningApp

Unendliche Möglichkeiten

Wie man sich denken kann, ist die Palette an Möglichkeiten immens. Bleiben wir mal bei den Pronomina, um nicht den Überblick zu verlieren. Neben den vorgestellten Übungen lassen sich weitere Formen mit der Webseite realisieren. So

etwa eine Zuordnungsübung, in der man Formen verschiedener Pronomina zu passenden Paaren zusammensuchen muss.

In lateinischen Texten kommen Pronomina auch häufig in Verbindung mit Substantiven vor. Auch dazu lässt sich bestimmt sehr einfach eine App erstellen. Man kann die Formen der Pronomina, die zugeordnet werden müssen, vorgeben oder eingeben lassen, als Lückentext oder Multiple-Choice-Quiz gestalten. Wie gesagt: Die Möglichkeiten sind wirklich vielfältig.

Fazit

LearningApps sieht auf den ersten Blick zwar etwas altbacken aus, erweist sich aber auf den zweiten Blick als wahre Schatztruhe für uns Fremdsprachenlehrer. Ob man sich bei den schon erstellten Apps bedienen oder selbst kreativ werden will, ist jedem selbst überlassen. So oder so kann man mit den Apps der Seite seinen Unterricht auflockern und den Schülerinnen und Schülern eine motivierende digitale „Ablenkung“ bieten.

 


Beitragsbild: Cesare Maccari [Public domain], via Wikimedia Commons, bearbeitet von wortschatz-blog.de

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