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Furthermore: Ein Roman voll schöner Sprache

Mit dem Roman „Furthermore“ Jugendliche für die Schönheit der Sprache begeistern

Der 2016 erschienene Jugendroman „Furthermore“ sticht als besonderes Buch hervor. Ein Einband in strahlenden Farben, darauf: ein orange-goldener Fuchs, eine blaue Tür, durch die goldenes Licht fällt, ein Baum mit dreieckigen, grünen Blättern, ein rundes Haus, ein Junge mit Papyrus. Und in der Mitte: ein Mädchen mit grauweißem Haar, steinweißem Gesicht, braunen Augen, strahlend goldverzierter Kleidung, buntglitzernden Armbändern und Beeren im Haar. „Brimming with color and magic“ schreibt die New York Times über „Furthermore“ von Tahareh Mafi. Und bereits das Buchcover lässt erahnen, dass diese Beschreibung passen muss.

Zitat FurthermoreFür den Unterricht nicht nur als Ganzschrift geeignet

„Furthermore“ bietet einige spannende Ansatzpunkte und ist vor allem ein zeitgenössisches Buch, das Preteens und Teenager in englischsprachigen Ländern tatsächlich mit Begeisterung lesen. Trotzdem plädiere ich hier nicht unbedingt für das Lesen der Ganzschrift. Für eine 7. oder 8. Klasse sind Auszüge, das Titelbild sowie einige ausgewählte Seiten und Zitate empfehlenswert. Denn „Furthermore“ ist kein Buch, dass sich schnell und ohne großes Nachschlagen von Seite 1 bis 400 überfliegen lässt. Dazu ist es einfach zu vollgepackt mit Bildern, die unsere volle Aufmerksamkeit verdienen.

Ausgeschlossensein und Zusammenhalt in einer magischen Welt

Im Zentrum des Buchs steht Alice, eine Protagonistin, die „anders“ ist. Während alle Menschen in Ferenwood bunt und magisch sind, ist Alice pigmentlos und nicht mit magischen Kräften gesegnet. So fällt sie auf. Und ihr Umfeld signalisiert: Dir fehlt etwas. Du hast ein Defizit. Alice macht sich auf die Suche nach ihrem Vater. Es geht um Heldentum, ums Besonderssein und ums Nichtbesonderssein, um Resilienz und Stärke, Ausgeschlossenwerden und um Zusammenhalt. Auch Alices Freund, ein Junge namens Oliver, hat eigene Geheimnisse zu entschlüsseln. Und das ist in der fantastischen Welt von Ferenwood nicht leicht: Gefahren lauern, oben kann manchmal unten sein, Papier ist lebendig und links kann rechts sein oder richtig oder ganz falsch.

Aufgabe: überraschende sprachliche Bilder entschlüsseln

Eine (Nicht-)Logik, die an einigen Stellen Hommage an Alice im Wunderland ist, bezaubert die Leser:innen und lädt zum genau Hinlesen ein! Denn aus dem Zusammenhang zu schließen ist in diesem Buch an vielen Stellen unmöglich.

„The sun was raining again.“

Schon der erste Satz zeigt das ganz wunderbar. Einmal entschlüsselt kreiert er bemerkenswerte Bilder in unseren Köpfen, lädt zum Malen oder Träumen ein. „The sun was raining again.“ Was das wohl zu bedeuten hat?

„Soft and bright, rainlight fell through the sky, each drop tearing a neat hole in the season. Winter had been steady and predictable, but it was quite poked through now, and spring was peeking out from underneath it.“

„Furthermore“ ist in bildreicher Sprache geschrieben, es lässt sich hervorragend einsetzen um die Freude an Metaphern, Vergleichen, Synästhesien zu erwecken und den Lernenden Lust aufs Lesen zu bereiten. In einem solchen Satz möchte man wirklich jedes Wort verstehen. Das Wörterbuch kann also beim Entschlüsseln der Bilder und beim lustvollen Sezieren der Sätze ein wichtiger Begleiter und glanzvolles Skalpell sein. Es ist denkbar, für jede:n Schüler:in einen eigenen Satz zu suchen oder suchen zu lassen, der genau erspürt und bildlich umgesetzt wird, inklusive der neu gelernten Vokabeln. Wie kann ein Tropfen ein Loch in eine Jahreszeit reißen? Wie sieht das aus, wenn Frühling schon durch die kleinen Lücken des Winters hervorlugt?

„The people of Ferenwood were excited for spring, but this was to be expected; they had always been fond of predictable, reliable sorts of changes, like night turning into day and rain turning into snow. They didn’t much care for night turning into cake or rain turning into shoelaces, because that wouldn’t make sense, and making sense was terribly important to these people who’d built their lives around magic.“

Interpretation künstlerisch erarbeiten

Ein fächerübergreifendes Projekt mit Kolleg:innen aus dem Fachbereich Kunst könnte spannend sein, ist aber nicht dringend nötig: Die Kreativität der Schüler:innen und künstlerische Begeisterungsfähigkeit sind in diesen Jahrgangsstufen bei vielen sehr ausgeprägt. Und die, die nicht gerne malen? Können eigene Sätze erfinden oder ausschließlich mit Wörtern und Farben sowie freien Stockfotografien und -grafiken Konzepte umsetzen oder sich andere Eselsbrücken überlegen, wie sie neue Wörter behalten können: zum Beispiel indem sie Gegenteile suchen, Mindmaps erstellen oder mit Schriftarten spielen.

Mein Fazit zu „Furthermore“

„Furthermore“ ist ein tolles Buch, das in den nächsten Jahren sicherlich auch verfilmt wird. Auch daraus lässt sich vermutlich wunderbares Unterrichtmaterial erstellen. Die Lernenden werden spüren, dass es sich dabei um authentischen, modernen Jugendcontent des aktuellen Jahrtausends handelt, und nicht wenige werden tiefer eintauchen wollen in die bunte, magische, wortgewaltige Welt von Ferenwood.

All American Boys

Literaturanalyse im 13. Jahrgang mal anders

Wenn man am beruflichen Gymnasium, insbesondere in einem Kurs mit erhöhtem Anforderungsniveau im 13. Jahrgang, im Englischunterricht Bücher liest, geht es in der Regel um Stilmittelanalyse. Welche werden verwendet und welche Wirkung haben sie auf den Leser? Da ich dies mit meinem Kurs schon gemacht habe und es ihnen nicht besonders viel Spaß gemacht hat, wollte ich ihnen Literatur nochmal anders nahebringen. Dafür habe ich mich für „All American Boys“ von Jason Reynolds und Brendan Kiely aus dem Klett Verlag entschieden.

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Mit Wortschatzarbeit in die Lektüre „The Hunger Games“ einsteigen

Wer mit Schüler*innen der zehnten oder elften Klasse eine Ganzschrift liest, hat oft mit Herausforderungen zu kämpfen. Wir hoffen, dass Jugendliche schon früh an Romane in einer Fremdsprache herangeführt werden. Dennoch könnte es für viele Jugendliche das erste Mal sein, dass sie ein Buch in der Fremdsprache in der Hand halten, das kein Schulbuch ist. Lässt man die Schüler*innen eine Lektüre wählen, entscheiden sie sich häufig für „The Hunger Games” (deutsch: Die Tribute von Panem). Der erste Teil der Trilogie ist 2008 erschienen, der erste Film kam 2012 ins Kino. Auch durch die Mehrbändigkeit sind die Bücher und Filme bei Jugendlichen weiterhin sehr beliebt. Weiterlesen

Mit der Abiturlektüre „Mother to Mother“ arbeiten

Aus Zitaten entsteht ein eigenes Theaterstück

Die Lektüre „Mother to Mother” kommt derzeit in einigen Bundesländern als Abiturlektüre zum Thema „South Africa” zum Einsatz. Die Autorin ist Sindiwe Magona, eine südafrikanische Menschenrechtlerin und Schriftstellerin. In „Mother to Mother” erzählt sie – basierend auf einem wahren Tötungsdelikt – die Geschichte des Mordes an Amy Biehl. Die weiße, amerikanische Studentin und Anti-Apartheid-Aktivistin wurde 1993 von einer wütenden Gruppe schwarzer Südafrikaner ermordet. Erzählerin des Romans ist die Mutter eines der Mörder. Mit der Erzählung wendet sie sich an Amy Biehls Mutter und beschreibt die gewaltgeprägte Gesellschaft, in der zunächst sie selbst und später ihr Sohn aufwuchsen.

Als roter Faden und Zielprodukt einer Unterrichtseinheit, die sowohl den Roman als auch die Hintergründe der Apartheid in Südafrika umspannt, bietet sich beispielsweise das gemeinsame Erstellen einer kreativen Präsentation an. Darin werden die Schlüsselbegriffe der südafrikanischen Apartheidsgeschichte sowie sorgfältig ausgewählte Zitate aus „Mother to Mother” zu einer Textkollage verwoben. Ich habe mich mit meiner Klasse für eine Präsentationsform als 60-minütiges Theaterstück entschieden, in dem sich Zitate und Kurzpräsentationen abwechseln. Weiterlesen

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Wortschatzarbeit bei Crime Fiction

John Grishams Thriller „A Time to Kill“ bietet Stoff für emotionale Diskussionen

Gibt es eine Rechtfertigung dafür, einen Straftäter zu töten? Der christlich geprägte Westen ist sich in dieser Frage uneins. Nach wie vor gibt es die Todesstrafe in einigen Bundestaaten der USA und jede Hinrichtung wird in den deutschen Medien berichtet.

Gibt es eine Rechtfertigung für Selbstjustiz? „Wohl kaum!“, wird man bei uns antworten. Und doch wirft der Roman „A Time to Kill“ von John Grisham oder „Die Jury“ (so der deutsche Buch- und Filmtitel) genau diese Frage auf. Weiterlesen