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Lernen fürs Leben: Verknüpfungen sind alles

Wortschatz und Grammatik verbinden und visualisieren

Gallia est omnis divisa in partes tres, quarum unam incolunt Belgae, aliam Aquitani, tertiam qui ipsorum lingua Celtae, nostra Galli appellantur.

Bis heute kann ich den ersten Satz aus Cäsars Bellum Gallicum auswendig und erinnere mich noch genau an die Lateinstunde, in der ich die Zeile aufsagen musste.

Gallien ist im Ganzen in drei Teile geteilt, von denen den einen die Belgier bewohnen, den zweiten die Aquitanier und den dritten die, welche in ihrer eigenen Sprache Kelten, in unserer Gallier heißen.

Gut verknüpftes Wissen wird im Langzeitgedächtnis gespeichert und ist im besten Fall ein Leben lang abrufbar. Genau diese Langzeitspeicherung ist das erklärte Ziel einer jeden Unterrichtsstunde. Die Schülerinnen und Schülern lernen nicht nur für 45 Minuten, sondern fürs Leben.

Doch wie gelingt das? Texte werden nicht nur übersetzt, Vokabeln nicht nur auswendig gelernt. Es geht vielmehr darum, die lateinischen Vokabeln und die Grammatik in verschiedenen Kontexten zu nutzen und so im Gedächtnis zu verankern. Wie eine solche Verknüpfung von Vokabeln und Grammatik mit Hilfe des elektronischen Wörterbuches gelingen kann, werde ich in diesem Blogbeitrag erklären.

Als Beispiel nutze ich hierzu die Lektion 12 aus dem Lehrbuch Prima Nova vom C.C. Buchner Verlag. In dieser Lektion wird der Accusativus cum Infinitivo (kurz „AcI“) eingeführt. Diese Konstruktion kommt im Lateinischen sehr häufig vor und wird als Nebensatz übersetzt, auch wenn sie auf den ersten Blick nicht als solcher erkennbar ist. Umso entscheidender ist es, dass die Schülerinnen und Schüler die entsprechenden Grammatikregeln und passenden Vokabeln sicher beherrschen.

Der AcI wird durch spezielle Verben ausgelöst. Sie heißen auch „Kopfverben“, da man seinen Geist braucht, um zu glauben, zu wissen, etwas wahrzunehmen, Gefühle zu äußern und sich mitzuteilen. Den AcI nach unpersönlichen Ausdrücken wie zum Beispiel constat (es steht fest) oder iuvat (es macht Freude) nehme ich noch dazu. Um eine Übersicht über die AcI auslösenden Kopfverben zu erstellen, nutze ich im Unterricht eine Mindmap.Im Lektionstext 12 aus dem Lehrbuch Prima Nova geht es um den Helden Horatius Cocles. Mit nur einer Handvoll Männer verteidigte er die strategisch wichtige Brücke Pons Sublicius gegen die Etrusker und beschützte damit Rom vor seinen mächtigen Feinden.

Die Zeilen 18 bis 24 dienen mir als Beispiel:

Horatio confidunt, parent, pontem rescindere instituunt.

Horatium autem hostes gladio petere et cum hostibus pugnare video.

Iam hostes Horatium necavisse puto.

Repente autem Horatium de ponte in aquas Tiberis desilire video.

Et statim pons corruit.

Tusci in ripa remanent. Horatius autem per aquas urbem petit.

Tiberim deum Horatio et comitibus adfuisse constat.

An diesem Abschnitt möchte ich zeigen, welche Schritte im gesamten Lektionstext durchgeführt werden können.

Die Schülerinnen und Schüler bekommen den Auftrag, im Text nach dem Accusativus cum Infinitivo zu suchen. Die Konstruktion sollte dafür natürlich ausführlich besprochen und geübt worden sein. Ebenso sollte ein einheitliches Verfahren zur Markierung im Text abgesprochen worden sein. Ich habe hier den Akkusativ und den Infinitiv mit einer Klammer verbunden, um deutlich zu machen, welche Wörter zum AcI gehören:

Horatio confidunt, parent, pontem rescindere instituunt.

(Horatium autem hostes gladio petere et cum hostibus pugnare) video.

Iam (hostes Horatium necavisse) puto.

Repente autem (Horatium de ponte in aquas Tiberis desilire) video.

Et statim pons corruit.

Tusci in ripa remanent. Horatius autem per aquas urbem petit.

(Tiberim deum Horatio et comitibus adfuisse) constat.

Wenn sich die Schüler ans Werk machen, ist es wichtig, dass nicht nur der Accusativus cum Infinitivo markiert wird, sondern auch das ihn auslösende Verb oder der unpersönliche Ausdruck. Diese werden dann in die Mindmap übertragen. Als Hilfe sollten – wenn vorhanden – elektronische Wörterbücher bereitgestellt werden. So haben es Schülerinnen und Schüler leichter, die richtigen Formen in die Mindmap zu übertragen. Auf diese Weise erweitern sie nicht nur ihren lateinischen Wortschatz, sondern erstellen gleichzeitig auch eine Übersicht für die AcI auslösenden Verben. Auf dieses Wissen können sie während ihrer gesamten Schulzeit zurückgreifen, denn die Übersicht kann im weiteren Unterricht um die entsprechenden Kopfverben ergänzt werden.Durch die verschiedenen Schritte des Markierens, des Übertragens in die Mindmap und letztendlich auch durch die finale Übersetzung und Bearbeitung des Textes werden die Wörter in verschiedenen Kontexten genutzt und können sich so längerfristig im Gedächtnis verankern.

 


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