Sind Nachschlagewerke in Zeiten digitaler Medien noch zeitgemäß?

oder: wie man die Kernkompetenz „Nachschlagen“ schult

Ich bin eine Verfechterin des Wörterbuchs, egal, ob in den Fremdsprachen oder auch im Deutschen. Jedes Jahr, wenn ich mit meinen Schülerinnen und Schülern den richtigen Umgang mit dem Wörterbuch übe, kommt sehr schnell die Frage auf, ob das denn überhaupt noch zeitgemäß sei – schließlich habe man doch ein Smartphone und könne da alles zu jeder Zeit nachschauen.

Meine Antwort ist stets ein klares „Ja“! Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass jeder Haushalt ein deutsches Wörterbuch, ein englisches Wörterbuch und auch einen Atlas besitzen sollte. Auch auf dem einen oder anderen Elternabend ernte ich dafür ungläubige Blicke.

Aus meiner eigenen Schulzeit hat sich ein Spruch meines Deutschlehrers besonders eingeprägt: „Man muss nicht alles wissen, man muss nur wissen, wo man nachschauen muss!“

Wie recht er hatte und immer noch hat, zeigt sich im Alltag mit den Schülerinnen und Schülern. Zwar hat jeder ein Smartphone in der Tasche, doch was nützt es, wenn sie nicht wissen, wo sie nachschauen sollen. Auch die Suchmaschinen geben bei falscher Anwendung nicht die richtigen Treffer.

So schult der Umgang mit dem Wörterbuch natürlich die Kernkompetenzen des Nachschlagen-Übens. Doch geht es sogar noch darüber hinaus, wenn man sicher und zielgerichtet nachschauen kann.

Zum richtigen und schnellen Nachschlagen muss man zuerst das Alphabet im Schlaf beherrschen, was vielen Schülerinnen und Schüler aber auch nach vier Jahren Grundschule nicht immer in Fleisch und Blut übergegangen ist. Im Bereich der Fremdsprachen muss man wissen, wie ein Wort geschrieben wird. Das richtige Schriftbild ist wichtig. Gerade im Englischen kommt es oft auf schwierige Buchstabenverbindungen an, wie etwas das „th“, und oftmals auch die Schreibung von „ae“.

Einstieg mit dem deutschen Wörterbuch

Ich führe das Wörterbuch in der Regel in der sechsten Klasse ein. So üben die meisten Schülerinnen und Schüler zunächst in ihrer Muttersprache. In der siebten Klasse kommt das englische Wörterbuch hinzu. Durch die Übungen mit dem deutschen Pendant fällt die Arbeit in der Fremdsprache leichter.

Tauchen dann im Unterricht die Fragen auf: „Wie heißt das Wort?“ – „Wie schreibt man …?“ Kann ich stets darauf antworten, „Schau nach, du weißt wo!“

Der Lernzuwachs durch das eigene Suchen ist für die Jugendlichen immens. Buchstabieren die Lehrkraft oder einer der Mitschüler das gesuchte Wort, so ist es unwahrscheinlich, dass es dauerhaft behalten wird. Sucht man das Wort aber selbst, so beschäftigt man sich intensiv damit und überlegt zunächst, wie es denn geschrieben wird. Schließlich stellt sich auch ein Erfolgserlebnis ein, wenn das Wort gefunden worden ist. Diesen Prozess verinnerlichen die Schülerinnen und Schüler und das gesuchte Wort verankert sich so schnell und effektiv im Gehirn.

Meine Klassen üben den Umgang mit den Wörterbüchern immer spielerisch und haben – laut eigener Aussage – auch großen Spaß daran.

Ideen für einen spielerischen Einstieg

Ich beginne die Wörterbucharbeit stets mit Spielen rund um das Alphabet. Zunächst schreiben die Schülerinnen und Schüler das ABC einmal vorwärts und dann rückwärts auf.

Als nächstes dürfen sie dann ein Akrostichon mit den Buchstaben ihres Namens schreiben – also ein Bild, auf dem jeder Buchstabe ihres Namens ein Wort oder einen kurzen Satz einleitet. Das klappt auch in Englisch recht gut.

Ein Akrostichon des Namens Tizian

Im Anschluss daran kommen entweder kleine Wettbewerbe, wie „Wer findet das Wort am schnellsten?“ „Auf welcher Seite steht „Express“?“ dran oder gezielte Suchübungen. So müssen die Schülerinnen und Schüler in fortgeschrittenen Klassen Idiome, Synonyme oder Antonyme finden.

Auch Wortbedeutungen müssen sie gezielt suchen. Unbekannte Lückenwörter müssen gefunden werden und mittels der richtigen Bedeutung ergänzt werden.

Zum Beispiel so:

Aufgabe: Schlage nach und setze das Wort mit der passenden Bedeutung ein.

Tizian has _________________ (zappy/zapped) ideas for preparing his presentation.

Außerdem erstellen wir Wortfamilien und Wortfelder, die dann meistens im Klassenzimmer oder in einer Lernkartei präsentiert werden.

Auch wenn das Medium Wörterbuch kein Smartphone ist, motiviert es die Schülerinnen und Schüler ungemein, wenn sie wissen, wie damit umzugehen ist. Das Erlernte lässt sich auch auf Atlanten, Straßenkarten oder auch Telefonbücher übertragen. Denn auch diese analogen Nachschlagewerke haben noch immer ihre Berechtigung – und es motiviert die Schülerinnen und Schüler, wenn ihnen klar wird, dass ihnen das Smartphone nicht in jeder Situation weiterhilft. Auch heutzutage ist zum Beispiel noch nicht jeder in einem Onlineverzeichnis mit Adresse und Telefonnummer registriert. Firmenanschriften findet man in den Telefonbüchern oft vollständiger. Und gibt es auf der Urlaubsreise kein Netz für die Straßenkarten-App, ist man ebenso dankbar für eine herkömmliche Karte.

Spätestens wenn ich meiner Klasse sage, dass das Wörterbuch auch in der Abschlussprüfung zugelassen ist und sie damit auch einen „legalen Spicker“ an der Hand haben, überzeuge ich auch die letzten Skeptiker. Zwar dürfen sie nichts hineinschreiben, doch sie sparen damit enorm Zeit und sie haben effektive Hilfen zur Hand.

Elektronisches Wörterbuch als Highlight

Als besonderes Highlight verwende ich in meinem Unterricht auch gerne das EX-word von CASIO. Es ist bereits in etlichen Bundesländern bei den Prüfungen zugelassen. Im EX-word sind verschiedene Wörterbücher gespeichert. So lassen sich auch gut Vergleiche zwischen den einzelnen Sprachen – Englisch, Deutsch, Spanisch und Latein – anstellen.

Der Vorteil des elektronischen Wörterbuches ist, dass es die Schnittstelle zwischen dem herkömmlichen Buch und der digitalen Welt darstellt. Auch hier muss man zunächst wissen, wie es funktioniert und wonach ich zu suchen habe, so sind die Grundfertigkeiten unerlässlich. Fortgeschrittene Schülerinnen und Schüler nehmen sich in meinem Unterricht dann gerne das EX-Word, um weiter zu arbeiten.

Wortfelder und Wortfamilien lassen sich komplexer gestalten. Alle Schülerinnen und Schüler können ihr eigenes Wörterbuch im Wörterbuch abspeichern, außerdem kann man gelesene und dank des Farbdisplays wichtige Passagen in verschiedenen Farben markieren.

Nicht zu vergessen auch ein immenser Vorteil eines elektronischen Wörterbuchs: Die Aussprachefunktion macht Wörter hörbar, das hilft dabei, die Aussprache zu üben.


Beitragsbild: Fotolia #175834004 | Urheber: aga7ta

Christiane Vatter-Wittl

Über Christiane Vatter-Wittl

Christiane Vatter-Wittl ist Deutsch- und Englisch-Lehrerin an einer bayerischen Mittelschule. Schreibt immer schon gerne, zum Beispiel als Autorin für einen Schulbuchverlag. Möchte hier Ideen und Konzepte zur Wortschatzarbeit im Unterricht mit Gleichgesinnten teilen.

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