Vokabeln in grammatikalischen Gefügen lernen

Kollokationen und idiomatische Wendungen: ein Fall für Mind Maps

Das Problem: Ein bunter Wortsalat in der Klassenarbeit

Und es ist immer wieder das Gleiche. Ich sitze an der Korrektur einer Oberstufenklausur. Die Texte meiner Schülerinnen und Schüler sind inhaltlich zwar vollkommen akzeptabel, sprachlich aber leider nicht ganz auf dem gleichen Niveau. Da werden Präpositionen vertauscht (oder auch einfach mal weggelassen), neue Vokabeln in falschen Satzgefügen verwendet und auf die Satzstruktur scheint eh niemand zu achten. Von einem schönen Englisch kann hier also leider überhaupt nicht die Rede sein. „Das ist sowas von ärgerlich!“ denke ich mir. Und den Gesichtern der Jugendlichen nach zu urteilen, denken die sich das Gleiche, als ich die Arbeit zurückgebe.

Entwicklung der Idee: Ausdrücke und Kollokationen im Kontext lernen

Offenbar ist meinen Schülerinnen und Schülern nicht klar, wie sie (neue) Vokabeln korrekt und sinnvoll in Sätze integrieren können. Warum also nicht einfach Ausdrücke und Kollokationen kontextbezogen lernen? Auf diese Weise, so denke ich mir, können die Lernenden in der Arbeit stilistisch gute und grammatikalisch korrekte Ausdrucksweisen einfließen lassen. Die sprachliche Komponente ihrer Texte (Ausdruck und Sprachrichtigkeit) müsste sich so verbessern lassen.
Gesagt, getan! Mit dem Start der neuen Einheit soll meine Klasse jede Stunde neue Wörter in kurzen Gefügen an eine festgelegte Stelle der Tafel schreiben (zum Beispiel rechte Außenseite). Wenn sie also im Verlauf der Stunde auf ein unbekanntes Wort treffen, das ihnen thematisch wichtig erscheint, müssen sie den Begriff mitsamt seinem grammatikalischen Umfeld an die vorgesehene Tafelstelle schreiben. Am Ende der Stunde erklären sie der Klasse dann die Bedeutung und Verwendung des Wortes. So entwickelt sich über die Einheit hinweg eine themenbezogene Mind Map.

Mind Map zur Frage Is/was it possible for African Americans to reach the American Dream?

Mind Map zur Frage Is/was it possible for African Americans to reach the American Dream? (Foto: Katharina Mack)

Details und Tipps zur Umsetzung

Wie sollen Vokabeln festgehalten werden?

Ziel ist es, neue Vokabeln nicht als Einzelwörter zu lernen, sondern in Gefügen, die die grammatikalische Verwendung aufzeigen (Literaturtipp dazu am Ende des Beitrags). Konkret gesprochen soll also nicht das Wort abolish, sondern ein Ausdruck wie beispielsweise to abolish a law gelernt werden. Dafür ist es zunächst einmal wichtig, dass die Jugendlichen in der Lage sind, solche Gefüge korrekt herzustellen. Die vermutlich einfachste Möglichkeit besteht darin, Gefüge direkt aus einem Text zu übernehmen, aber auch die Arbeit mit einem einsprachigen Wörterbuch oder die Verwendung von hochwertigen Online-Wörterbüchern und speziellen Collocation Dictionaries bietet sich an – zum Beispiel aus der Oxford-Reihe.

Welche Wörter sollen angeschrieben werden?

Grundsätzlich gilt: Die Lernenden haben das Sagen. Sie selbst entscheiden, welche Vokabeln ihnen wichtig erscheinen. Auf positiver Seite hat dies zur Folge, dass sie lernen, sich eigenständig neue Vokabeln anzueignen – was im Sinne eines lebenslangen Lernens von enormer Bedeutung ist. Jedoch provoziert dieses Vorgehen auch einige Probleme. So erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Ausdrücke angeschrieben werden, die es aus Lehrersicht nicht an die Tafel geschafft hätten.
Um sowohl den fachlichen Ansprüchen der Lehrkraft als auch dem subjektiven Empfinden der Lernenden Sorge zu tragen, empfiehlt es sich, mit den Schülerinnen und Schülern Richtlinien festzulegen, nach denen sie Vokabeln auswählen. In meiner Klasse hat sich insbesondere das Kriterium, dass alle Wörter dazu dienen sollen, die Stundenfrage zu beantworten bzw. im Kontext der Einheit als relevant erscheinen müssen, als hilfreich erwiesen und einem stupiden Auflisten von Vokabeln entgegengewirkt.

In Arbeitsphasen ist es förderlich, herumzugehen und vereinzelt Vokabeln anhand der Kriterien durchzusprechen und eventuelle Fehler in Rechtschreibung und Grammatik zu korrigieren. Dabei sollte immer wieder auf die zur Verfügung stehenden Hilfsmittel (z.B. einsprachiges Wörterbuch) verwiesen werden, um die Schüler im Umgang mit diesen zu trainieren.

Das Anschreiben

Eine weitere Forderung, die sich in meinem Kurs bewährt hat, ist, dass pro Unterrichtsstunde zwischen acht und maximal zwölf Vokabeln angeschrieben werden sollen. Das regt die Lernenden dazu an, sich mit der Relevanz von Vokabeln auseinanderzusetzen. Gleichzeitig lässt diese Anzahl es zu, dass die Lehrkraft bei Bedarf ein bis zwei Vokabeln ergänzt. Bevor alle die Vokabeln abschreiben, ist es wichtig, sie gemeinsam durchzusprechen und zu überprüfen.
Je nach Leistungsstand und Erfahrung der Klasse mit der Methode kann die Lehrkraft von den Lernenden auch verlangen, die Wörter innerhalb einer Stundenfrage zu strukturieren. Auf diese Weise werden Verbindungen zwischen den Wörtern deutlicher, was beim Lernen und Behalten hilft.

Ausschnitt aus einer Mind Map. Rot bedeutet: thematisch zugehörig. Grün zeigt verschiedene Ausdrücke zu einem Wort an.

Ausschnitt aus einer Mind Map. Rot bedeutet: thematisch zugehörig. Grün zeigt verschiedene Ausdrücke zu einem Wort an. (Foto: Katharina Mack)

Literaturtipp

Den Ansatz der grammatikalischen Gefüge habe ich bei Engelbert Thaler gefunden:

Thaler, Engelbert (2012). Lexikalische Kompetenz.
In: Englisch unterrichten: Grundlagen, Kompetenzen, Methoden. Berlin: Cornelsen, S. 223-235.

 

 

 

Katharina Mack

Über Katharina Mack

Katharina Mack ist Gymnasiallehrerin für Englisch und Sport an einer beruflichen Schule in Obertshausen. Ihr ist es wichtig einen abwechslungsreichen und motivierenden Unterricht zu gestalten. Vom Wortschatz-Blog erhofft sie sich einen regen Ideenaustausch.

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