„Wer nicht weiß, dass „knowledge“ mit k geschrieben wird, sucht im Papierwörterbuch vergeblich“

Viele Schulen denken darüber nach, elektronische Wörterbücher anzuschaffen. Damit sich alle Fremdsprachenlehrkräfte eine Meinung bilden können und besser verstehen, was die Geräte leisten, bietet CASIO kostenlose Workshops an. Die Trainerin Stefanie Sakwa besucht dann die Schulen und zeigt den Lehrerinnen und Lehrern, wie die elektronischen Wörterbücher funktionieren und was sie können. Im Interview mit wortschatz-blog.de erzählt Sakwa, wie die Workshops ablaufen und welche Fragen die Lehrkräfte an sie richten.

Wortschatz-Blog: Wie kommt es dazu, dass Sie einen Workshop an einer Schule durchführen?

Sakwa: Die Schulen können sich bei CASIO online für einen Workshop anmelden. Ich werde dann über den Terminwunsch informiert und nehme Kontakt mit der Schule auf. Zum Beispiel frage ich, für welches elektronische Wörterbuch sie sich interessieren und wie viele Fremdsprachen auf dem Workshop vertreten sein werden.

Porträt der Trainerin Stefanie Sakwa

Erleichtert Lehrkräften die ersten Schritte mit dem elektronischen Wörterbuch: Trainerin Stefanie Sakwa

Was gibt den Anstoß, dass Schulen über die Anschaffung elektronischer Wörterbücher nachdenken?

Oft ist es so, dass jemand von einer anderen Schule kommt, die schon mit elektronischen Wörterbüchern gearbeitet hat. Diese Lehrkräfte sind meist sehr begeistert und schlagen ihren Kolleginnen und Kollegen vor, sich das einmal anzusehen.

 

Welcher Aufwand entsteht den Schulen durch den Workshop?

Die Workshops sind kostenlos, aber sie müssen sich natürlich die Zeit nehmen und einen Raum stellen. In der Regel dauern die Workshops etwa 1,5 Stunden.

 

Welche Sprachen decken die Geräte ab, die Sie da vorstellen?

Die meisten Schulen interessieren sich für das Wörterbuch EX-word EW-G570C, das für die Sekundarstufe 1 und 2 geeignet ist. Darin sind zehn ein- und zweisprachige Wörterbücher für Englisch, Französisch, Spanisch, Latein und Deutsch enthalten.

 

Und wie läuft der Workshop dann ab?

Ich habe eine kurze Präsentation dabei, aber vor allem bringe ich ausreichend Geräte mit, so dass alle eins bekommen. Damit arbeiten wir dann sehr praxisorientiert – Schritt für Schritt gehen wir die Bedienung durch und die Teilnehmenden probieren alles selbst aus. Dabei wechsle ich viel die Sprachen. Zum Beispiel fange ich mit Englisch an, danach sehen wir uns dann die Funktionen für Deutsch an, dann Französisch. Da bietet das Gerät sehr viel zu den unregelmäßigen Verben. Und am Schluss sehen wir uns Latein an, da sind unter anderem die Deklinationen enthalten.

 

Wie viele Personen nehmen im Schnitt an den Workshops teil?

CASIO bietet die Workshops ab fünf Personen an. Meistens sind es zwischen acht und zwölf. Ich hatte aber auch schon einmal ein Training mit 20 Personen. In der Regel sind alle Fremdsprachen vertreten, die an der Schule unterrichtet werden, und manchmal auch Deutsch, weil man die Wörterbücher ja auch im Deutschunterricht einsetzen kann.

 

Stellen Sie auch vor, wie man die Wörterbücher methodisch-didaktisch einsetzen kann?

Im Workshop geht in erster Linie um die Bedienung. Aber am Ende zeige ich noch, dass es bei CASIO eine Materialdatenbank gibt, in der sich Lehrkräfte online Unterrichtsmaterial für die einzelnen Klassenstufen und Sprachen herunterladen können. Und ich habe immer das Buch „Gesucht? – Gefunden“ dabei, das Tipps und Anwendungsbeispiele für den Einsatz von elektronischen Wörterbüchern in der Schule bietet.

 

Welche Funktionen der Wörterbücher kommen bei Lehrkräften besonders gut an?

Viele finden toll, dass das Wörterbuch auch Wörter findet, deren Schreibweise man nicht genau kennt. Ich stelle das gern mit dem englischen Wort „knowledge“ vor, da hört man ja das k nicht. Wer nicht weiß, dass „knowledge“ mit k geschrieben wird, sucht das Wort im Papierwörterbuch vergeblich unter N. Dasselbe gibt es auf Französisch zum Beispiel bei Wörtern, die mit H anfangen. Oder auf Deutsch, wenn Sie nicht wissen, ob ein Wort mit V oder F beginnt. Über die Rechtschreibprüfung oder die Platzhalter-Suche lassen sich diese Wörter im elektronischen Wörterbuch auch finden, wenn man sie falsch geschrieben eingibt.

Die Rechtschreibprüfung findet Einträge auch, wenn sie falsch eingegeben werden – ein Klick auf ein Bild startet die Galerie.

 

Gibt es weitere Funktionen, die die Teilnehmenden überraschen?

Oft kommt gut an, dass man bei unregelmäßigen Verben direkt in die Verbtabelle springen kann. Papierwörterbücher haben auch Verbtabellen, aber man muss sehr viel blättern. Und dann gibt es noch eine beliebte Funktion: die Multi-Wörterbuchsuche. Da sieht man zu einem Suchbegriff die Ergebnisse aller im Gerät vorhandenen Wörterbücher – so kann man zum Beispiel auf einen Blick sehen, dass „Handy“ auf Englisch nicht „handy“ heißt, und man kann zwischen den Sprachen hin und her wechseln.

 

Stellen die Lehrkräfte Fragen zur Auswahl der Wörterbücher?

In fast allen Workshops kommt irgendwann die Nachfrage, weshalb die Inhalte der Geräte nicht aktualisiert werden können. Ich frage dann immer, wie oft sie ihre Papierwörterbücher neu anschaffen. In der Regel tun sie das frühestens alle zehn Jahre, das wird ihnen dann bewusst. Vor allem aber überzeugt sie, dass die elektronischen Wörterbücher nur in der Schule eingesetzt werden können, weil es sich um geschlossene Systeme handelt. Wären sie das nicht – zum Beispiel, damit man die Inhalte über das Internet aktualisieren kann – dann dürfte man sie auch nicht in Prüfungen benutzen. Übrigens hat das auch noch einen weiteren Vorteil: Man kann nicht aus Versehen Inhalte löschen.

 

Gibt es weitere typische Bedenken?

Am Anfang haben manchmal etwas ältere Lehrkräfte Bedenken, dass die Schüler die Geräte besser bedienen können als sie selbst. Aber diese Angst kann ich im Lauf des Workshops ausräumen. Die Bedienung ist wirklich schnell zu lernen ist. Ich bringe auch immer genug Zeit mit – wenn ein Workshop mal etwas länger dauert, dann ist das auch in Ordnung. Hauptsache, am Ende haben alle das Gefühl, dass sie verstanden haben, wie sie mit den elektronischen Wörterbüchern arbeiten können.

 

Wie geht es nach dem Workshop weiter?

Viele würden am liebsten gern direkt bei mir unterschreiben, aber das ist leider nicht möglich. Dafür müssen sie sich an einen Händler wenden. Und wenn sie nach dem Workshop keine Anschaffung planen, dann ist das natürlich auch in Ordnung.

 

Wenn sich die Schulen für die elektronischen Wörterbücher entscheiden, wie viele schaffen sie dann in der Regel an?

Es gibt zwei unterschiedliche Ansätze. Manche Schulen schaffen die Geräte selbst an, meistens mehrere Klassensätze. So viele brauchen sie zum Beispiel, wenn mehrere Fremdsprachenkurse gleichzeitig Abiturprüfungen schreiben. An anderen Schulen kaufen die Schülerinnen und Schüler die Geräte selbst.

 

Es sind ja sowohl ein- als auch zweisprachige Wörterbücher enthalten. Was sagen Sie den Lehrkräften, wenn sie zum Beispiel in einer Klausur nur einsprachige Lehrwerke zulassen möchten?

Ich erkläre immer, wie man einzelne Wörterbücher bei Bedarf sperren kann. Das müssen die Lehrkräfte einmal einstellen. Außer Wörterbüchern lassen sich zum Beispiel auch der Suchverlauf und die von den Kindern angelegten Vokabellisten sperren. Die Jugendlichen können das zwar allein wieder entsperren. Aber das sollten sie besser erst nach der Klausur tun, denn beim Entsperren ertönt dann ein sehr deutlicher Ton. Den kann man auch nicht abstellen.

 

Gibt es Fragen zur Batterielaufzeit?

Ja, das wird häufig gefragt. Ich erzähle dann, dass man das Gerät mit Einwegbatterien oder Akkus betreiben kann. Batterien halten sehr lange – offiziell mindestens 100 Stunden. Man kann einstellen, nach wie viel Zeit sich die Geräte automatisch abschalten, dadurch bleibt der Verbrauch sehr gering. Seitdem ich 2018 mit den Workshops angefangen habe, habe ich die Batterien nur einmal gewechselt – und das hauptsächlich, weil es wegen der Coronakrise einige Monate lang keine Workshops gab und ich die Geräte nicht benutzt habe.

 

A propos Corona: Finden jetzt wieder Workshops statt?

Ende August habe ich den ersten Workshop nach dem Lockdown gegeben. Die Räume waren groß und wir konnten uns gut mit Abstand hinsetzen, zusätzlich haben wir Masken getragen und viel gelüftet. Das ist noch nicht wieder so wie vorher, aber trotzdem wieder möglich.

 

Linktipps

 


Beitragsbild: CASIO

Über Alexandra Mankarios

Studierte Sprachlehrforscherin, Journalistin und privat ein echter Sprachenfan: Spricht vier Sprachen fließend und hat zwei unterrichtet. Begeistert sich für Semantik und würde gern einmal ihr eigenes mentales Lexikon aufschlagen.

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